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Zweiter Band.
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Leinwand

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Leinwand

macheneL. nennt man diejenige, welche Privatper-sonen in Dörfern und Städten von ihrem selbstge-sponnenen Garne vom Weber anfertigen lassen; sieist in der Regel besser als die Kaufleinwand,welche im Großen und mit der Bestimmung für denHandel verfertigt wird. — Oft wird die Leinwandgefärbt, und manche gefärbte wird auf einer Seitegeglättet, nachdem sie mit Stärke, der zuweilenWachs oder Gummi zugesetzt wird, gesteift wordenist; mit weißer Leinwand geschieht dies seltener. Mannennt sie dann Glanzleinwand. Das Glättengeschieht entweder vermittelst eines glatten Tteinesauf dem Glätttische, oder vermittelst Walzen. Zu-weilen wird die gefärbte Leinwand auch noch miteiner oder mehreren Farben bedruckt. Bunte Lein-wand ist aus weißem und farbigem Garne oder auchaus verschieden gefärbtem Garne gewebt und hatentweder farbige Streifen oder carrirte Muster. Diebunten Farben werden jedoch häufig durch Baum-wollengarn und besonders die rothe Farbe fastimmer durch türkischrothes Garn erzeugt. Sehr häu-fig wird jetzt auch die weiße Leinwand mit baum-wollenem Garne vernüscht und entweder unter demNamen Halbleinen, häufiger aber für ganz Lei-nen verkauft. In diesem Fall geschieht die Ver-mischung in betrügerischer Absicht und in Folge derConcurrenz, aber auch der Verblendung des Publi-kums, welches mehr auf Wohlfeilheit und schönesAnsehen, als auf Solidität und Haltbarkeit sieht.Besonders in neuerer Zeit, seitdem man das Baum-wollengarn viel fester und glätter zu weben versteht,hat dieser Unfug so sehr überhand genommen, daßdadurch das Leinengeschäft in manchen Gegenden vielvon seinem früheren guten Rufe verloren hat; ganzdavon frei erhalten hat sich die Fabrikatur nur inwenigen Ländern, unter denen in Deutschland be-sonders Westphalen zu nennen ist. Die auf denMessen und Jahrmärkten im Einzelnen verkaufteLeinwand ist aber sehr häufig mit Baumwolle ge-mischt , und gewiß ist dies immer der Fall bei allenwohlfeilen Verkäufen von Leinwand, Zwillich, Tisch-zeug rc., die jetzt auf allen deutschen Messen, meistvon preußischen Juden, unter allerlei Verwändenausposaunt werden. Es ist selbst für den Kenneroft schwer, die Mischung mit Baumwolle zu erken-nen; indessen gibt es ein zuverlässiges Mittel dafür,welches in Folge einer vor mehreren Jghren vondem Vereine zur Beförderung des Gewerbfleißeö inPreußen ausgesetzten Prärnie aufgefunden wurde,s-s besteht darin, daß man ein Streifchen Leinwand,das man sorgfältig ausgewaschen und getrocknet hat,^Asiens 2 Minuten lang so über den Rand einesGläschens mit concentrirter Schwefelsäure hängt,daß nur ein Stück davon in die Säure getaucht ist,es dann herausnimmt und schnell in reinem Wasserausspült; die in dem Gewebe enthaltenen Baum-wollenfäden werden dann entweder ganz zerstörtoder in eine Art durchsichtiger Gallerte verwandelt,dre Flachsfäden aber bleiben unverändert. Eineweniger zuverlässige Probe besteht darin, daßmau die Leinwand zwischen den Daumen stark reibt,!o daß sich kleine Fäserchen von den Garnfäden tren-uen, welche beim Leinengarne gerade, beim Baum-wollengarne aber etwas gekräuselt sind.—Die Fein-r lt der Leinwand wird gewöhnlich nach der Anzahlder Faden bestimmt, aus denen die Kette besteht,vn ^o^an.,diese in Gänge von 40 (in Oberösterrcichgäben theilt und dann angibt, wie vielange die Leinwand enthält; sie ist natürlich um so

feiner, je größer die Anzahl, der Gänge ist. DasZählen der Fäden geschieht vermittelst eines dazueingerichteten Vergrößerungsglases, Fadenzählergenannt. Außer der Feinheit hängt jedoch die Güteder Leinwand auch von der Gleichheit der Fäden unddes Gewebes ab. Ntau muß daher darauf sehen,daß die Fäden überall möglichst gleich stark sind unddaß die Leinwand durchgängig, nicht bloß der äußer-lich sichtbare Theil des Stücks, gleich dicht geschlagenist, daß sie weder in der Länge noch in der Breiteausgezogen ist, was sich durch schiefe Lage der Fädenverräth, und daß die Salleisten überall gerade undnicht gebogen sind, indem das letztere durch Ungleich-heit in der Stärke der Kettenfäden entsteht. Auchmuß sie möglichst frei von Knoten sein, die sich be-sonders in mittler und feiner Waare gar nicht vor-finden dürfen. Da manche Fehler durch die Appre-tur verdeckt werden, so ist es allerdings gut, wennman diese durch Waschen daraus entfernen kann,was aber nur selten möglich ist; indessen läßt sichdieser Zweck wenigstens großenteils durch starkesReiben zwischen den Fingern erreichen. Jedenfallsmuß man die Stücken inwendig besehen, wo siemeist weniger Appretur haben, als am äußerenBlatte. — Hanfleinwand wird besonders imsüdwestlichen Deutschland, in Frankreich und derSchweiz verfertigt, während dies in den meisten an-deren Ländern gar nicht oder doch viel seltener ge-schieht. Sie ist fester und dauerhafter als die Flachs-leinwand, aber nicht so weich und geschmeidig; auchläßt sie sich nur sehr schwer so rein weiß bleichen, alsdiese. Besonders werden aus Hanf starke graueLeinen, namentlich Segeltuch, gewebt.—Das Webender Leinwand geschieht fast durchgängig auf Hand-stühlen, nur in England wendet man jetzt Webe-maschinen dabei an. In Belgien hat man je-doch^ eine Maschine zum Weben ohne Menschen-hände erfunden, welche an jedem Webstuhle an-gebracht werden kann und vom feinsten Battiftbis zum stärksten Segeltuch von gleichem, tadellosemGewebe 8—12 mal so viel liefert als ein Weber. —Zu den feinen, glatten und glänzenden Leinen-waaren wird durchgängig Handgarn verwendet,und dieses wird dazu auch immer vor dem mat-teren und wolligeren Maschinengarn den Vor-rang behaupten. Dagegen verwendet mau zu an-deren Sorten auch in Deutschland, besonders inmanchen Gegenden, wie in der Lausitz, in Böh-men u. s. w., schon sehr häufig Maschinen-garn. Da auch viel Werg- oder Towgarn mitverwebt wird, so hat die Qualität der Leinendadurch jedenfalls verloren, und dies, sowie diehäufige Vermischung mit Baumwolle hat wohlauch zur Verminderung des Absatzes der deut-schen Leinen nach fremden Ländern beigetragen.Diese Verminderung ist sehr bedeutend, denn wäh-rend in den günstigsten Zeiten jährlich für 20 Mill.Thlr. deutscher Leinen seewärts ausgeführt und be-sonders Spanien, Portugal, Westindien und Süd-amerika damit versorgt wurden, beträgt diese Aus-fuhr jetzt kaum noch 4 Mill. Thlr. Ein Hauptgrunddavon ist aber die Abnahme des Leineuverbrauchsüberhaupt, da seit den großen Verbesserungen in derBaumwollenspinnerei und Weberei die billigerenBaumwollenzenge sehr häufig den Gebrauch der Lei-nen verdrängt haben. Außerdem hat besonders dieaußerordentliche Vermehrung der Leinenfabrikationin Irland aus Maschinengarn, sowie auch die poli-tischen Einrichtungen mancher fremder Länder, durch