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Zweiter Band.
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Liebfrauenmilch 114 Liköre

cuientum , einer tu Mexiko und Südamerika ein-heimischen^ jetzt aber auch im südlichen Europa häu-figen, 3—4 Fuß hohen, einjährigen Pflanze, welchein Deutschland als Zierpflanze in Gärten gezogenwird. Sie sind glänzend roth von Farbe, zuweilenauch goldgelb oder weiß, von der Größe eines Apfels,jedoch niedergedrückt und durch tiefe Rippen inWulste getheilt, und werden, besonders in Portugal,Spanien und Italien, mit Pfeffer, Oel und Salzeingelegt und gegessen, auch in der Küche zu Saucenund dgl. benutzt.

Liebfrauenmilch heißt ein feiner weißer Rhein-wein, der besonders wegen seines angenehmen, mil-den Geschmacks, bei vortrefflicher Würze und Blume,beliebt ist. Er wächst in unmittelbarer Nähe derStadt Worms im darmstädtischeu Rheinkreise, ander Stelle, der im Jahr 1698 von den Franzosenzerstörten Mainzer Vorstadt, und der beste zunächstder stehen gebliebenen Liebfrauenstiftskirche.

Liebstöckel, Tigustioum Tovistioum oderLevisticum officinale, eine in den Gebirgendes südlichen Europa einheimische und bei uns inGärten gezogene Doldeupflanze, welche über manns-hoch wird, große, dunkelgrüne, glänzende, fieder-spaltige Blätter, gelbe Blüthen und einen eigenthüm-lichen, etwas widerlich gewürzhaften Geruch undGeschmack hat. Die große Wurzel, welche aus einemmehrköpfigen Haupttheile besteht, der sich in zahl-reiche, lange und dicke Fasern theilt, außen bräun-lichgelb, inwendig weiß ist» anfangs süßlich, dannscharf, schleimig und widrig schmeckt mtd einen durch-dringenden, nicht angenehmen Geruch hat, wirdunter dem Namen Radix Levistici zuweilennoch als schweiß- und harntreibendes Mittel in derMedizin, häufiger aber als Thierarznei gebraucht.Aus den in die frische Wurzel gemachten Einschnitten,fließt ein gummiartiger Saft, auch enthält sie äthe-risches Oel, scharfes Harz, Extractivstoff, Schleim,Zucker, Amylum und Salze. Die Blätter und derSame, welcher einige Aehnlichkeit mit dem Dillsamenhat, waren sonst ebenfalls ofstcinell; jetzt benutztman nur die ersteren zuweilen zu Tabakssaucen.

Liechtenstein, deutsches Fürstenthum, zwischendem Schweizerkantou St. Gallen und Tirol gelegen,2,g» Meilen, mit 7150 Einw. Es ist völligesAlpenland, und Viehzucht ist daher die Hauptbeschäf-tigung der Einwohner; außerdem wird Getreide,Wein, Flachs und Obst erbaut und die Wälder lie-fern Holz und Wild. Baumwollenspinnerei ist sehrverbreitet. Hauptort des Ländchens ist der FleckenLiechtenstein, sonst Vaduz genannt, mit 950Einw. — Die Münzwährung und ebenso auchdie Maße und Gewichte sind wie in Oesterreich;eigene Münzen sind nicht geprägt.

Lieferschein»s. S ch e i n.

Lieferungshandel, Lieferungsgeschäfte, s.Handel und Kauf.

Liegenschaftenconto , s. Immobilien conto.

Liegetage, Liegezeit, s. Fracht.

Lientjos oder Lienzos ist die spanische Benen-nung für Leinen.

Lreng, Lia ng, eine Münze und ein Gewicht inChina. „ t

Lierbaum »s. Lerchenbaum.

Lieschkolbe, s. Rohrk o l b e.

Liespfund ist ein im nördlichen Deutschland, Dä-nemark, Schweden und den russischen Ostseehafengebräuchliches Gewicht, das am häufigsten der 20.Theil des Schiffpfundes ist, worüber man das

'Nähere in den Artikeln über die euizelnen Länderund Handelsplätze findet. Man bedient sich desselbenhauptsächlich bei den Schiffsbefrachtungen, zuweilenaber auch beim Waarenhandel.

Lieue, die alte französische Wegstunde — 4444VoMeter oder 3Vs deutsche Meilen.

Lreukieu-Jnseln, s. L u t s ch u - 9 n s e l n.

Lignit, s. Braunkohle.

Lignum heißt Holz. Die lateinischen Namender im Drogueuhandel vorkommenden Hölzer, diewir unter ihren deutschen Benennungen aufführen,sind folgende: Lignum Agallochi oder Aloes, s.Adlerholz. — L. beuedictum, s. Pockholz. —L. campechiaimm, s. Blauholz. — L. citrinum,s. Gelb holz. — L. Colubrinum, f. Schlange n-holz. — L. Fernambuci, s. Rothholz. — L. Gua-jaci oder indicum, s. Pockh olz. — L. Juniperi, s.Wachholderholz.— L. Mahagoni, s. Maha-goniholz. — L. Nagas, s. Nagasholz. —L.nepliriticum, s. Gri esholz. — L. Quassia?, s.Q-uassienholz. — L. Rhodii, s. Rosenholz. —L. sanctum, s. Pockh 0 lz. —L. santalinum, s.Sandelholz. — L. Sassafras, s. Sassafras-holz. — L. suberinum, s. Korkholz. — L. Syde-roxylon, s. Eisenholz. — L. Yisti, s. Mistel. —L. Yitae, s. Pockholz.

Ligtdoek heißt in Holland eine Art leichtes Segel-tuch, das zu kleinen Segeln verwendet wird.

Liguster oder Rainweide, auch Hartriegelgenannt, Ligustrum vulgäre, ein in Gebüschen,au Hecken, Zäunen rc. wachsender, 6—8 Fuß hoherStrauch, der ein sehr festes und zähes Holz hat, wel-ches zu Drechslerarbeiten und zu Schuhzwecken, dieschlanken Zweige auch zu Ladestöcken benutzt wird.Die schwarzen Beeren haben eine purgirende Kraftund werden zuweilen zutu Färben des rothen Weinesbenutzt, können aber schädlich werden. Die Rindeenthält einen Bitterstofi, das Ligustrin, der inWasser löslich ist und mit concentrirter Schwefelsäuresich blau färbt.

Likeio-Inseln, s. Lutschu-Inseln.

Liköre oder L i q u e u r e nennt man Branntweine,denen man durch aromatische Stoffe und Zucker einenangenehmen Geschmack oder auch eine magenstärkendeKraft gegeben hat. Dies geschieht entweder, indemman Weingeist über die gewürzhaften Pflanzentheiledestillirt oder diese damtt übergießt und eine Zeitlang in mäßiger Wärme stehen läßt (digerirt), wo-rauf man in beiden Fällen den Weingeist beliebigmit Wasser verdünnt und mit Zucker versüßt, oderwas jetzt am häufigsten geschieht, da es viel kürzerund bequemer ist, indem man den Weingeist mit demaus den betreffenden Pflanzen gezogenen ätherischenOele und mit Zucker vermischt und das zu der ge-wünschten Verdünnung nöthige Wasser hinzusetzt.Man verwendet dazu theils nur einen aromatischenPflanzenstoff, theils mehrere, und bereitet auf dieseArt eine große Menge vermiedener Arten unter be-sonderen, oft ganz willkürlichen Namen; auch theiltman sie in verschiedene Hauptclassen, und nenntz. B- Aquavite solche, die stärker an Weingeist-gehalt sind, als die gewöhnlichen, 6remes, denenbesonders viel Zucker zugesetzt ist, R atafias, welchemit Zusätzen von Obstsaften bereitet sind. Häufiggibt man ihnen französische Namen und nennt siedann Lau (s. d ), und im südlichen Deutschland,namentlich in Oesterreich, bezeichnet man besonderssolche, die durch Destillation bereitet sind und ge-wöhnlich wenig Zucker enthalten, mit dem italie-