Band 
Zweiter Band.
Seite
118
JPEG-Download
 

Liquor

Lippe 118

und eine Gewerbevereinsschute, eine Telegraphen-Hauptstation, Assekuranzcompagnien, Niederlagenauswärtiger Fabriken, auch wird ein lebhafter Spe-ditionshandel getrieben. Es sind hier Fabriken undManufakturen in Woll- und Baumwollzeugen, Le-der, Metall, chemischen Produkten, Mehl rc., einek. k. Tabak- und Cigarrenfabrik, Schiffswerfte.Linz ist durch eine 1700 Schuh lange Brücke, überwelche auch die von hier nach Budweis führendePferdeeisenbahn läuft, mit dem am jenseitigen Uferder Donau gelegenen, ansehnlichen MarktfleckenUrfahr, (mit etwa 3000 Einw.) verbunden, und istein Hauptstationsplatz der von Wien nach Salzburgund Baiern führenden Kaiserin-Elisabeth-Dampf-bahn — auch Westbahn genannt, — mit den Zweig-bahnen von Wels nach Passau und von Lambachnach Gmünden, ferner ein Hauptstationsplatz derkaiserl. könial. priv. Donau- und der Privat-Jnn-Dampfschifssahrtsgesellschast, deren Schiffe täglichvon Wien bis hinauf nach Regensburg und Donau-wörth, die Donau und von Rosenheim bis Passauden Jnn befahren; auch die Ruderschifffahrt ist ziem-lich lebhaft. Nach Ostern und Mitte August werdenje 14 Tage währende Jahrmärkte abgehalten. — ZuKleinmünchen, eine Stunde von Linz entfernt,an der Traun und oberhalb an derselben, befindensich mehrere bedeutende Baum- und Schafwollspinn-fabriken.

Rechnung, Münzen, Maße und Gewichte,s. Oesterreich.

Lippe, (unrichtig auch wohl Lippe-Detmold)zur Unterscheidung von Schaumbnrg-Lippe ge-nannt, zwischen der kurhessischen Grafschaft Sckaum-burg, Hannover, Pyrmont und Preußen, 21 s^M.mit 108,300 Einw. Das Land ist meist bergig undwaldig, in den Thälern und Ebenen jedoch fruchbar,mit Ausnahme der Senner Haide im Südwesten,von welcher jedoch nur ein geringer Theil zu Lippegehört. Die nördliche Grenze wird von der Weserberührt, welche die Emmer, Werre, Exter,Kalte u. s. w. aufnimmt; die Eins entspringt ander westlichen Grenze; die Lippe nicht weit von dersüdlichen Grenze, berührt jedoch nur das abgesondertliegende Amt Lipperode. Der Landbau ist sehr be-deutend und eine Hauptnahrnngsquelle der Ein-wohner. Ausgeführt werden von seinen Erzeug-nissen Raps- und Rübsamen, Weizen, auch wohlHafer, sowie Flachs, Wolle. Man ziebt gute Pferdeund von altersher ist das Senner Gestüt berühmt,dessen Pferde in den herrschaftlichen Waldungen undin der Senne während des Sommers frei umher-laufen. Auch die Hornvieh- und Schafzucht istnicht unerheblich; von Bedeutung die Schweinezucht,welche Schweine in großer Zahl zur Ausfuhr liefert.Die Saline in Salzufeln fabricirt gutes Salz.Als Nebengewerbe der Einwohner wird Flachs-spinnerei und Leinenweberei getrieben. Das grobeLeinen kommt auf der Legge in Lemgo zum Verkaufund wird in den nördlichen und östlichen Theilendes Landes gewebt; das feine Leinen, auch Biele-felder Leinen genannt, fabricirt der westliche Theildes Landes. In ausgedehntem llmfange und mitlohnendem Erfolge wird die Ziegelbrennerei imAuslande getrieben; 9000 bis 10,000 Männerwandern jährlich zu diesem Zwecke nach den in denLändern an der Nordsee und Ostsee errichteten Zie-geleien. — Die Hauptstadt D e t m o l d an der Werrehat 5000 Einw., Residenzschloß, eine nicht unbe-deutende öffentliche Bibliothek, Gymnasium, Semi-

nar, Museum, Tabak- und Cigarrenfabrikation.Außerdem Lemgo an der Bega, mit 4200 Einw.,welche Meerschaumpfeifenköpfe, Wollenzeuge, Lein-wand, Leder und Stärke fabriciren, auch Seiden-weberei treiben.

Rechnung und Zahlwerth seit 1857 wiePreu ßen, f. d.

Münzen. Es werden die nehmlichen silbernenCourant- und kupfernen Scheidemünzen geschlagen,wie in Preußen, s. d.

Maße und Gewichte. — Längenmaß. DieElle hat 2 Fuß ä 12 Zoll ä 12 Linien und ist —0,579 Meter, ---- 0,^ preußische, = 0 m3 Wiener-Ellen. — Getreidemaß. Der Roggen - oderHartkornscheffel hat 6 große oder 8 kleine oder 24Mahlmetzen und ist — 44 ,»92 Liter, — O, 80ß preuß.Scheffel, = 0, 720 Wiener Wetzen. Der Hafer-scheffel hat 7 große Roggenmetzen und ist — 51, ß7iLiter. — Flüssigkeitsmaß. Das Oxhoft hatiy 2 Ohm ä 4 Anker ä 27 Kannen ä 4 Ort; auchwird das Oxhost in 30 Viertel Visirmaß getheilt.Die Kanne ist — 1, 3 7 6 Liter, — 1, 2ß2 Preuß. Quart,--- 0,s7 3 Wiener Maß. Die Bierohm hat 100 solcherKannen. — Haudelsgewicht. Der Centuer hat100 Pfund ä 30 Loth ä 10 Quentchen ä 10 Zcntä 10 Korn. Das Pfund (= 500 Grammen odery 2 Kilogr.) ist dem Zollvereinspfnnd gleich.

Lippe-Schaumburg oder Lippe-Bückeburg,s. Schaumburg-Lippe.

Liqueur, s. Likör.

Liquid nennt man eine Forderung, welche un-bestritten, erwiesen und vom Schuldner aner-kannt ist.

Liquidambra , s. Storap.

Liquidiren heißt eine Rechnung aufstellen undin Ordnung bringen, auch sie abschließen, aus-gleichend. Ein Geschäft liq uidiren heißt esaufgeben und nur noch so lange fortführen als esnöthig ist, um Alles in Ordnung zu bringen undabzuwickeln. Dies geschieht oft bei der Zahlungs-unfähigkeit eines Handlungshanses, indem die Gläu-biger das Geschäft für ihre Rechnung liquidirenlassen und den Ertrag desselben nach Verhältniß ihrerForderungen unter sich vertheilen. Während dieserZeit wird die Firma, gewöhnlich von einem ver-pflichteten Procuristen, zuweilen auch von einemoder einigen der Gläubiger, mit dem Zusatz ,,inLiquidation" unterzeichnet. Beim gerichtlichen Con-cursverfahren versteht man unter Liquidationoder Liquidirung die Angabe der Forderungeines Gläubigers an den Gememschuldner bei dessenGerichtsbehörde, welche die Gläubiger durch öffent-liche Blätter und auch durch besondere Schreibendazu auffordert und einen Liquidatioustermindazu ansetzt. Liquidation nennt man auch zu-weilen eine Rechnung, besonders die Kostenrechnungeines Advokaten u. einer Gerichtsbehörde, u. Liqui-dum eine erwiesene und verfallene Forderung,deren Bezahlung daher sofort gefordert werden kann,sowie auch ein liquidirter oder berechneter Betrag.— Ueber die Liquidation im einzelnen enthält dasdeutsche Handelsgesetzbuch im zweiten Buche vonden Handelsgesellschaften eingehende Bestimmungen,s. Art. 133—145, 172, 205, 244, 265, 270.

Liquor heißt überhaupt Flüssigkeit; namentlichaber bezeichnet man mit diesem Namen verschiedenekünstlich bereitete Flüssigkeiten zum Pharmazeutischenoder auch zum technischen Gebrauch. Die in unseremWerke vorkommenden und unter den deutschen Be-