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Oekonomische Pflanzenkunde der landwirthschaftlichen Kulturgewächse / von K. Robert Herrmann
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Ahorn.

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Der Futterwerth des Laubes nach Pabst 115 bis 136 Pfund,find gleich 100 Pfund Heu, geworben auf Höhewiescn.

Der Ahorn erreicht gewöhnlich dieselbe Höhe der Hölzer, unterwelche er eingesprengt ist, hinsichtlich der Stärke bleibt er hinter an-dern Laubhölzern zurück, 30 bis 36 Zoll unterer Durchmesser ist schonselten. Die Krone wird schirmförmig von ziemlich starken Aesten,welche sich nur an den äußern Spitzen in kleine Zweige theilen, weshalbder Ahorn auch keine dichte, verdammende Beschattung giebt, im freienStande bleiben die Aeste bei 20 bis 30 Fuß Höhe ziemlich verein-zelt fortwachsend. In der Jugend ist der Wuchs auffallend stark,läßt jedoch nach 40 Jahren sehr nach, so daß in 100 Jahren ihndie Buche weit überholt. Aus diesem Grunde ist er mit 80 oder90 Jahren am voitheilhaftcstcn abzutreiben. Ganz vorzüglich ist erals Schlagholz, da er sehr lange eine ausgezeichnete Ausschlagsfähig-keit behält und die Stocklodcn sehr schnell wieder wachsen. Im Nie-derwalde ist ein 30 35jähriger Umtrieb der vortheilhaftcste. Dakeine Wurzelbrut erwartet werden kann, so muß er so hoch gehauenwerden, daß er am Stocke wieder ausschlagen kann. In der Jugendverträgt er nicht lange und wenig Schatten, weshalb von dem jun-gen Anfinge, wenn er in den dunkeln BcsaamunqSschlägen der Bucheerzogen werden soll, wenig aufgebracht wird. Sonnenseiten, wennsie trocken sind, sagen ihm weniger zu, als frische Mitternachtseiten.Der Ahorn liefert'einen jährlichen Durchschnittszuwachs bei 30 bis35jährigen Umtrieben von 77 Kub.-Fuß pro Morgen aufs Baum-bolz, bei 80 bis lOOjäbrigem Umtriebe bleibt er der Buche gleich,liefert etwa 52 Kub.,Fuß pro Morgen.

Als Brennholz ist daS Holz sehr schön, als Bauholz hat eS zuweni'a Dauer, zu Möbles wird es gern verarbeitet seines geflammtenAnsehens wegen. Der Ahorn leidet sehr von Frost und Dürre, vonWild und Federvieh, und nur dann, wenn man hiergegen schützt, istseine Anzucht belohnend.

Der Aborn giebt, wenn die Bäume im zeitigen Frühjahre bisauf den Splint angebohrt werden, einen süßen, zuckerreichen Saft,etwas Bestimmtes kann man über die Menge des bei uns gewon-nenen Zuckers von einem Baume nicht angeben, denn eine jede Artdes Ahorn, so wie die verschiedenen Bäume einer Art, geben Saftvon verschiedenem Zuckergehalt. Annehmen kann man, daß ein gro-ßer, ausaewachsener Baum auch bei uns (vorzüglich von dem Spitz-Ahorn) 2 bis 3 Pfund Zucker jährlich liefert. DaS Anbohren undder Saftverlust soll dem Ahorn gar keinen Nachtheil bringen. (?)

Der Ahornsaft wird auf folgende Weise gewonnen. Die pas-sendste Zeit ist Ausgangs Januar bis Ende April. Man bohrt ge-wöhnlich 1 bis 1^ Fuß über der Wurzel mit einem scharfen Hohl-bohrcr in den Stamm 4 bis ^ Zoll im Durchmesser haltende Löcher,immer in etwas sckwäger Richtung von unten nach oben, um daSAusfließen des Saftes zu erleichtern und das Gefrieren desselben imBohrloche bei kalten Nächten zu verhüten, durch den Splint in dasHolz hinein. Anfangs wird jedes Loch etwa nur , Zoll, später aber