Hafer.
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unter mannigfaltigeren Verhältnissen, als jede andere Ketrcideart ge-baut wird, so ist auch das Maaß der Einsaat weit verschiedener,und es läßt sich solches beim Hafer schwieriger, als bei andern Ge-trcidearten, ein Mittelquantum seiner Einsaat angeben. Obgleich derHafer keine zu dichte Saat verträgt, da er sich auf kraftvollem Bo-den stark bestandet und die Pflanzen bei zu dichtem Stande verzei-hen, so wie der Hafer selbst im Stroh kurz bleibt und nur eineunvollkommene Erndte giebt, so wird es im Allgemeinen doch immerzweckmäßiger sein, etwas dicker, als dünner zu säen, da sich derHafer, wenn er, wie gewöhnlich, in minder kräftigen Boden als letzteTragt kommt, sich weniger bestockt; auch unterdrückt eine dichtereSaat das Unkraut besser, so wie die dichter stehenden vollkomme-nen Pflanzen, bei der Dopvelwüchsigkcit des Hafers, den Nach-wuchs weniger aufkommen lassen, in Folge dessen man vollkommncri,Hafer erndtet. Bei der Unterbringung der Saat muß man möglichstdarauf sehen, daß keine Saamen oberflächlich liegen bleiben; dennnur bei einer erforderlichen Bedeckung mit Erde, die übrigens seichtsein soll, finden dieselben die zum Keimen erforderliche Feuchtigkeit,und nur in diesem Falle wurzeln sich die Pflanzen gehörig ein. Dieoberflächlich liegen gebliebenen Saamen keimen zwar auch und wur-zeln ein, wenn es genugsam feucht ist, geben aber nur schwächlichePflanzen und Doppelwüchsigkeit. Ein zu tiefes Unterbringen desSaamens verursacht jedoch ebenfalls schwache Pflanzen, die sich schlechtbestauben und niemals einen ganz vollkommenen Ertrag weder anKörnern noch an Stroh gewähren. Die Unterbringung der Saatkann mit dem Pfluge oder Erstirpator, oder mit der Egge erfolgen.Nach den stattfindenden Verhältnissen kann dieses oder jenes ange-messener sein. In einem mehr leichten, trocknen und sehr lockernBoden, bei trockncr Witterung, wird der Saamc am zweckmäßigstenmit dem Erstirpator oder allenfalls auch mit dem Pfluge sein, sowie dies selbst in dem mehr gebundenen Boden, wenn dieser einevollständige Bearbeitung erhalten hat, und die Hafersaat verspätetist, sehr anzuratben ist. Vor dem Ausstreuen des Saamens ist derAcker mit der Walze oder der Egge etwas zu ebenen, damit sich so-wohl der Saamen gleichförmiger ausstreuen lasse, als auch, um dasUnterpflügen der Saat um so gleichförmiger verrichten zu können.Das Walzen des Bodens vor der Saat ist in dem leichten, lockern Bodenam besten, während in dem mehr bindigen Boden, besonder? wenn er et»was feucht ist, das Eggen vorzuziehen ist. Wenn man den Saamen mitPflugwcrkzeugen einbringt, so darf man mit dem Unterbringen dmchausnicht zu ängstlich sein, denn es schadet nichts, wenn auch der Hafer bereitsgekeimt hat, und es ist zu empfehlen, den Hafer, welcher des Nachmittagsgesäct worden, über Nacht liegen zu lassen, damit durch den eingefogenenThau der Keim geweckt werde, worauf aber der Saame untergebrachtwerden muß, bevor er wieder ganz trocknet. Nur ist dieses Verfahren zuvermeiden, wenn man Nebel vermuthet. Das Eineggen deS unter-gepflügten Hafers kann entweder unmittelbar nach dem Einpflügen,oder später, wenn der Hafer schon aufgegangen ist, erfolgen. Das