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Wicke.
In ihrer Jugend scheint sie zwar empfindlicher gegen die Kälte zusein als die Erbse; im Ganzen bedarf sie aber weniger Wärme,um vollkommen zu werden. AuS den meisten im Acker enthaltenenUnkräutern macht sie sich nicht viel, indem sie dieselben größten-theils überwächst und unterdrückt, ja die starkhalmigen Unkräuterdienen ihr zur Stütze, so daß sie sich weniger lagert. Aber einUnkraut giebt es, welches sich um Johanni findet und in kurzerZeit auch das kräftigste Wickenfeld dergestalt unterdrückt, daß balddie sämmtlichen Pflanzen eingehen. Dies ist die sogenannte Flachs-seide, eine Schmarotzerpflanze, die auch dem Leine gleich schädlichwird. Die Wurzel der Wicke hat ein großes Vermögen, sich auchdie weniger leicht auflösliche Pflanzennahrung des Bodens anzu-eignen; zugleich besitzt sie ein sehr thätiges Blattorgan, vermögedessen sie viel Nahrung aus der Atmosphäre cinsaugt; sie bedarfdaher in einem humusreichen Boden keiner frischen Düngung, umeine entsprechende Ausbeute zu gewähren. Sie kommt jedoch imfrischen Dünger sehr gut fort, und ihr Ertrag, besonders der desKrautes, wird durch frische Düngung sehr beträchtlich erhöht. Dadas Stroh der Wicken für Pferde und Schafe ein vorzüglichesFutter ist und in wiesenarmen Gegenden das Heu hauptsächlich er-setzen muß, so werden auch die Wicken am häufigsten in frischerDüngung gebauet. Kultivier man sie blos des Saamens wegen,so empfiehlt man, in einem kräftigen Boden sie ohne jene zu säen,weil sie dann weniger üppig wachsen und mehr Schoten ansehen.Ueberhaupt darf man zu ihnen nicht zu stark düngen, weil sie sonstzu üppig wachsen, lagern und bei feuchter Witterung leicht faulen.Ist der Boden nicht sehr feucht und gebunden, so ist es rathsam,den Mist schon im Herbste unterzubringen. Das Uebcrdüngen derWicken, nach erfolgter Saat, ist ihnen sehr zuträglich. —
In Bezug auf die Fruchtfolge sind die Wicken sowohl mit sichselbst als ihren Vorgängern und Nachfolgern sehr verträglich. Da-her leisten sie auch bei dem Uebergange aus einer Fcldeinthcilungin die andere als Einschiebsel gute Dienste. Bei den Dreifeldernkommt sie gedüngt im Brachscldc oder ungcdüngt im Sommerfeldsvor. Ihre günstige oder ungünstige Einwirkung auf das ihnennachfolgende Wintcrgetreide hängt theils von ihrem guten oderschlechten Stande, theils von der frühern oder spätern Zeit ab, wosie das Feld räumen. Bei schlechtem Stande der Wicken, so wiebei verspäteter Eincrndtung auf thonigcm Boden, hat man seltenHoffnung zu einer guten Wintergetrcidcerndte; daher bleibt untersolchen Umständen ihre Aufnahme ins Sommerfeld, worauf alsoeine Brachfrucht folgt, viel gerathener. Die Aufnahme der WickeninS Sommerfeld hat noch nebenher den Vortheil, daß man sie dannungestraft mit einem Gemenge von Hafer, Sommerroggen oder Em-mer aussäen kann, welches ins Brachfeld ohne bedeutenden Nach-theil der darauf folgenden Winterfrucht nicht angeht. Unter allenUmständen bleibt cS immer rathsam, die Wicken auf 2 Furchen zusäen. Jedenfalls muß die Stürzfurche im Herbste nicht zu spät