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Die Landwirthschaft.
lands A. Aoung, was Marshall und Sinclair, was in Deutschland Münch-hausen, Schubart, Gugenmus, Medicus, Mayer und Bergen vor Allen, wasDu Hamel, Thouin, Chateauvieux (siehe oben) vorbereitet und zum Theilschon für die Praxis zunächst klar ausgesprochen hatten, das fand in Thaer wissen-schaftliche Zusammenstellung, selbst bis zum System, — noch mehr — unddas ist Thaer's größtes literarisches Verdienst — es fand rationelle Begrün-dung durch naturgeschichtliches und staatsökonomisches Fundament.
Da mit der genauern Schilderung von Thaer's literarischem, praktischemlandwirthschaftlichem und staatlichem Verhältnisse eine passende Schilderungdeutscher Verhältnisse der Landwirthschaft gegeben wird, so wollen wir in diesendrei Beziehungen dieses großen Mannes Leben betrachten, ohne eine kurze bio-graphische Skizze zu vergessen.
Albrecht Daniel Thaer war geboren zu Celle am 14. Mai 1752,studirte in Göttingen Medicin, erhielt, — wie er selbst sagt — in den jugend-lichen Irrungen gewöhnlicher Art den heilsamen Gradus der gemeinschaftlichenExperienz, übte mit vielem Erfolge lange Zeit ärztliche Praxis in seiner Vaterstadt,ward selbst königl. Leibmedikus (— Hannover's Kurfürst war König Georgvon Britannien, und residirte in London —), heirathete endlich und erwarbdabei einen schönen Garten und etwas Grundbesitz. Da begann sein landwirth-schaftliches Leben!
Landwirthschast und Arzueikunde — beide sind, wie Thaer's BiographW. Körte sagt, Erfahrungswissenschaften, in welchen „reine Versuche nicht l„möglich 'sind, worauf viele andere Erfahrungswissenschaften sich gründen können„und müssen, denn zu reinen Versuchen wird durchaus ein Fernsein aller„unbekannten Potenzen erfordert, welche auf das Resultat des Versuchs einen„Einfluß haben und solches verändern können. Auf dem Wege zum landwirth-„schaftlichen Wissen begegnete ihm Gott und grüßte ihn nach dem schönen„Ausdrucke des alten Sprüchworts; er verstand den Gruß und wußte dafür„zu danken, indem er sich entschloß, fortan Landwirthschast zu treiben, erst als„Handwerk, dann als Kunst und Wissenschaft."
Wenn bei seinen Bemühungen, Landwirth zu werden in einer bis jetzt nochnicht vorschwebenden Idee, er die deutsche Literatur sehr mangelhaft fand unddarüber loszog, so genügt zu bemerken, daß er sein Urtheil später selbst theil-weise wieder zurücknahm und aber vorzüglich, daß er außer norddeutscher laud-wirthschaftlicher Literatur keine andere kannte, wie dieß seine Citate deutlichmachen, die geographisch-statistischen Verhältnisse deutscher Agrikultur ihm abervollends unbekannt waren. Nur England's landwirthschastliche Literatur hatteer vor Allem inne, später auch die französische; — zum Glück war in prak-tischer Beziehung die erste auch wirklich die beste.
Der große Reformator der Landwirthschaft hat bekanntlich eine gewissePeriode hindurch mehr Reinertrag in der Schriftstellerei gefunden, als inseinem Feldbausystem zu Möglin, eine Operation, der er noch 1798 (sieheenglische Landwirthschast) sehr abhold war, aber doch war das Meiste nurweitere Ausführung der in der Einleitung zur englischen Landwirth-schast aufgestellten Principien und — was die Hauptsache ist — sehr gut.Dieses letztgenannte Werk hatte er schon 1795 vollendet und gab den I. Band1798 heraus (Hannover); dann erschien des 2. Bandes I. Theil 1800, des1. Bandes 2. Theil 1801; zugleich mit einer neuen Auflage des I. Theiles,— 3. Band 1804- Die dritte Auflage dieses 3. Bandes 1806.
Gleich auch nach dem Erscheinen des I. Bandes der englischen Landwirthschastbegann er die Herausgabe der Annalen der niedcrsächsischen Landwirthschast