Buch 
Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
Entstehung
Seite
72
JPEG-Download
 

72

Die Landwirthschast.

für rationelle Landwirthe betrug in diesen 25 Jahren 884; also treffen fürdas Jahr (etwas über) 35 bloß mit landwirthschastlichen Studien beschäftigteIndividuen. Die größte Frequenz ist im Jahr 1847. Um die Einrichtungdes landwirthschastlichen Instituts insbesondere als des Schleißheim beson-ders charakterisirenden Merkmals zu begreifen, reicht hin, auf den von unsschon oben bezeichneten herrschenden Gedanken erziehungslustiger Philanthropendes anfangenden 19. Jahrhunderts zu deuten.

Fellenberg und Pestalozzi hatten keine geringe Begeisterung fürdiese Art Schulbildung der ärmeren Klassen erweckt. Zudem durfte sich rea-listisches Studium noch nicht so breit machen, wie in unseren Tagen; die glanz-vollen Tage Nebelbilder zeichnender Philosophie waren in Herrschaft und ver-ständiges Streben zu lernen, was zunächst Roth tbat, mußte sich noch inInstitute verbergen. Alle süddeutschen landwirthschastlichen Unterrichtsanstaltenhatten daher Anfangs diesen Charakter Fellenberg'scher Armeuschulen zur Haupt-grundlage; Hohenheim hat der zeitigen Emancipation davon und derVerleihung zeitgemäßer Freiheit seiner Zöglinge einen großen Theil seines Rufesund seiner Frequenz zu verdanken, Wiesbaden ist ihm gefolgt und in Schlciß-heim würde ein geändertes Verhältniß der Hospitanten bald das Institut inden Hintergrund drängen und dasselbe nur für die Fälle besondern Wunsches derAeltern oder Vormünder, deren Rechte auch der Staat bei Stipendienverleihungin theilweisen Anspruch nimmt, in seine volle Wirkung als Erzichungsmaßregcl die es immerhin bleibt mit rigoröser Handhabung der Hausordnung ein-treten lassen. Jeder Jnstitutszögling zahlt für das Jahr nur 150 fl. undder Staat muß durchschnittlich noch 100 fl. daraus zahlen. Die Exigenz derSchule beläuft sich auf über 7000 fl. ohne die erwähnte Zahlung der Zög-linge für Unterricht, Wohnung, Bett, Mobilicn, Beheizung und Licht zu rechnen.

Jeder Hospitant zahlt Collegiengeld per Semester 15 fl. also 30 fl.per Jahr und kann durchschnittlich mit 300 fl. in Schleißheim recht gut leben.

Im Jahre 1832 wurde in Bayern noch ein anderer sehr bedeutenderSchritt im Interesse zeitgemäßen Fortschrittes gethan es wurde dem Prinzipder Realstudien durch Errichtung der polytechnischen und landwirthschastlichenund Gewcrbsschulen völlige Geltung verschafft, und hätte Fürst Waller-stein, dem nächst höchstem Willen das größte Verdienst für diese Anstaltengebührt, während der ganzen Zeit seines Ministern auch nichts anderes Nütz-liches in's Leben gerufen, als diese technische Anstalten, so würde dennoch dafürsein Ruhm unvergänglich bleiben. So schwer auch eine ihrem Prinzip schroffentgegenstrebende, daraus folgende lange Periode aus diesen Schulen lastete,der unverwüstlichen Tenacität und den unerschütterlichen richtigen Ansichteneines hehren Vertheidigers, ja selbst Gründers dieser Studien dem Staats-ökonomen von Hermann gelang es, sie durch die Feuerprobe nie ruhenderOpposition zu führen; aber noch ist das Ziel nicht erreicht! Ihm gleich,doch mehr speciell für das Interesse der eigentlichen Landwirthschastsschulen,für Ackerbau- und Armenschulen zumal wirkte in sehr scharfsinnig construirteuund auf reiche, im Auslande gesammelte, Erfahrung gestützten Verträgen, ge-setzlichen Bestimmungen, Plänen und Schriften von Kleinschrod. Möchtedieser Männer werthvolles Wirken in einer neuen Aera zu mehr lebendigenResultaten führen und das unsichere Verfahren überspringen zum entschiedenenFortschritt, wie er von so geistreichen Männern, wie von Zurhein undDaxenberger, erwartet werden muß.

Unter den Landwirthschafts- und Gewerbsschulen des Königreiches zeichnensich durch erfolgreichen landwirthschastlichen Unterricht aus vor allen Nürnberg