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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Die Landwirthschaft.

Nahrungsstoffen aus sich, aus der Atmosphäre und der übrigen Erde. — Eine ver-mehrte Zugabe von solchen Substanzen zur Beförderung der Vegetation heißt manDüngen.

Als pflanzennährende Substanzen aber kann man nach dem jetzigen Standeder Erfahrung und Forschung annehmen:

1) Wasser;

2) Kohlensäure;

3) Salpetersäure;

4) Humussäure;

5) Humusextract;

6) Kohlensaure Salze, besonders von Ammoniak, Kali, Natron und Kalk;

7) salpetersaure Salze (besonders von Ammoniak rc. wie oben);

8) humussaure Salze (ditto);

9) schwefelsaure Salze (besonders Gyps);

10) Schwefel-, Kohlen- und Phosphorwasserstoffgas.

Als Düngermaterialien werden mit vollstem Rechte nur jene Körper be-handelt, welche keiner weitem vorthcilhaftern Verwendung mehr fähig sind.Die Düngermaterialien werden eingetheilt in:

1) animalische,

2) vegetabilische,

3) in aus beiden gemischte,

4) in mineralische,

5) in aus Allen gemengte.

Ehe wir indessen an die besondere Erörterung dieser Düngermaterialiengehen, wollen wir noch der Erfahrung gedenken, daß nicht alle Pflanzen ingleichem Grade die Productivität des Bodens vermindern. Man hat hierüberals Hauptsätze aufgestellt: 1) daß alle angebauten Pflanzen den Boden mehrerschöpfen, wenn sie zur Reife kommen, als wenn sie im grünen Zustande vorder Bildung des Samens weggenommen werden; 2) tiefwurzelnde, sowiebreitblätterige, mehrjährige oder heimische Pflanzen erschöpfen den Boden weniger,als seichtwurzelnde, schmal- und klein-blätterige, einjährige und eingebürgerte(fremde); 3) die Pflanzen erschöpfen den Boden um so mehr, je weniger siein Blatt- und Wurzelabfällen dem Boden einigen Ersatz zurückgeben.

Man hat demgemäß die Pflanzen eingetheilt: in bodenzehrende (Lein,Cerealienrc.rc.) in bodenverbessernde (Kleearten) und bodenschonende(Hülsenfrüchte, Reps).

Von den organischen Düngermaterialien (thierische wie vegetabilische) nimmtman in neuerer Zeit an, daß sie keinesfalls für sich, sondern nur in ihrenZersetzungsproducten Pflanzennahrung liefern.

Diese Zersetzung durch Gährung ist also Grundbedingung für ihre Wirk-samkeit, um so mehr, als die Gährung selbst in verschiedenen ihrer Eigen-schaften bedeutende physikalische Wirkungen auf den Boden übt, in dem sie vorsich geht, auch die gasartigen Producte derselben entschiedene Pflanzennahrnngs-mittel sind.

Unter den thierischen Düngermaterialien sind zu erwähnen: Das Blut,welches im Blutkuchen vorzüglich aus Faserstoff und Blutroth besteht, sonstaber noch aus Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff und Stickstoff, Phosphor,Eisen, Calcium, Chlor und Schwefel. Es geht schnell in Fäulniß über unterBildung von viel Ammoniak, Schwefel- und Phosphorwasserstoffgas. Die Zer-setzung des Blutkuchens wird durch Kalk sehr befördert. Die Anwendung desBlutes zeigt vorzügliche Wirksamkeit für Bäume und Cerealien, stickstoffreiche