Russland
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Russland
der Ladoga-, Onega-, Peipus- odet Tachuda-, Ilmen-, Belo-Ozero-oder weisse-, Altai- oder Teletzkoi-, Baikal-, Tachani- und Aral-See, das kaspische Meer. — Beinerkenawertbe Kaualverbindungensind: der Wiszuei-Woloczok-Kanal verbindet die Twerza mit demMsta, und dadurch die Wolga und Newa, vermittelst 76 Seen und106 Flüssen ; der Marien- und Herzog-Alexander-Kanal verbindetdie "Wolga mit dem Ladoga-See; der Tichwinsclie-Kanal verbindetdie "Wolga mit dem Ladoga-Kanal und der Newa, und durch diesealle das kaspische Meer mit der Ostsee; der Königs-Kanal verbindetden Bug mit demPripez; der Oginskische Kanal den Dniepr mitdem Niemen und so das schwarze Meer mit der Ostsee; der Bere-lina-Kanal die Ulla (Nebenfluss der Düna) mit der Beresina (Nebenfl.des Dniepr); der Surowtzowsche-Kanal verbindet den Dniestr,oberhalb dessen Mündung, mit dem Tarantscbuk, um die Schifffahrtin den Limau möglich zu machen. — Russland ist meistentheilsNiederland und Steppe, und gehört zu der grossen BarmatischenNiederung, die eich gegen die Ostsee und das nördl. Meer absenkt.Daher ist der Boden, besonders in dem nördlichen Theil, grössten-theils Sumpf und stark bewaldet; das Land vom asowscheu bis zumkftspischen Meer, zwischen der "Wolga und dem Ural bis zumkirgisischen Grenzfluss Emba ist nur flache, unwirthbare Salzsteppe;zwischen dem Irtisch, Ob und dem Altai-Gebirge befindet sich diegrosse barabinzische Steppe, deren südl. Theil Salz-und Sandwüsteist. Die freundlicheren Gegensätze sind die kornreichen Stricheim mittleren Russlaud, an der Wolga abwärts und in der Ukraine,noch mehr aber Taurien undTranekaukasien, welche an Ueppigkeitder Vegetation, an Milde des Klimas und Reichthum der Erzeug-nisse mit Italien und Spanien rivalisiren. Die nackten, öden undeinförmigen Salzsteppen der Kirgisen sind kaum weniger schauer-lich, als die beeisten Moräste und Wildnisse Sibiriens. Die unge-heure Ausdehnung des Reichs macht es begreiflich, dass Bich dieschärfsten klimatischen Contraste vorfinden, Gegenden, in denendas Quecksilber gefriert, und andere, in denen die Südfrüchte herr-lich gedeihen, Striche, in denen der Eisbär und das Renntbier kaumihr Leben fristen, und andere, wo das Kameel über glühenden Sandhineilt. Der Verschiedenheit des Klimas entspricht die Mannig-faltigkeit und der Reichthum von Naturerzeugnissen aller dreiReiche. Bewohnt wird das grosse Reich von verschiedenenVölkern: Slaven, Tataren, Finnen, Kaukasiern, Deutschen, Juden,Griechen, Armeniern, Mongolen, PerBern, Tungusen, Eskimos,Zigeunern , Samojeden, Kamtachadalen, Tscliuktschen, Kirgisen,uud in Am erika von den Koludschen, Ugatuschmiuscben, Kamaizen.Der Nationalrusse ist gutmüthig, dienstfertig, gefällig, wohlthätigbis zur Verschwendung, gastfrei, standhaft, muthig, furchtlos,enthusiastisch für sein Vaterland, den Kaiser und die Religion;dabei lernt er leicht, ist er frohsinnig und besitzt er ein grossesNachahmungstalent. Gesang und Tanz liebt er leidenschaftlich.Als Soldat ist er blind gehorsam und sein Glaube an Vorherbe-stimmuug macht ihn fühllos gegen Entbehrungen, so dass er ver-gnügt und fröhlich ist, wo der englische Soldat über Mangelklagenwürde. Von Körper ist der Russe weder groSB noch stark, aberfähig, viel zu ertragen. Arbeit verrichtet er nur so viel, als er ebenmuss; iBt aber ein Gewinn zu machen, so ist er bei der Hand, wobeiibm Gewandtheit, List, Menschenkenntniss, feine Beobachtungs-gabe wirksame Hilfe leisten. Dies macht ihn zum Handeln, Ver-kaufen, Tauschen, Speculiren überaus geschickt. Hauptfehler sind :Mangel an feinem Ehrgefühl, Servilität gegen Höhere, Härte gegenNiedere, Leichtsinn, Sinnlichkeit, Aberglauben, Hang zu be-rauschenden Getränken, Selbstsucht, Hang zum Stehlen. DasBaden,meist mit Uebergängen vom Schwitzbad zum eiskalten Wasser,ist ihm unentbehrlich und macht ihn hart gegen Krankheiten.
Der Religion nach bilden dio Bekenner der russ.-griech. Kircbeungefähr 85 % der GeBammtbevölkerung. Die Gesammtzakl derBewohner fremder Confessionen betrug 1853 im russischen Reiche,mit Ausnahme vou Transkaukasien, Polen , Finnlaucl, den Landender Douiachen und Tschernomorischen Kosaken und den amerikan.Besitzungen, 8V2 Mill. Seelen, nämlich 1,893,000 evangel. Christen,2,800,000 röm.-katholische, 42,000 armenisch-gregorianische, 2600armenisch-kathol., 2,115,000 Muhammedaner, 1,323,000 Hebräer,296,800 Götzendiener. In Finnland ist die Bevölkerung mit geringerAusnahme protestantisch. In Polen zählte man fast 4 Mill. Katho-liken. — Dom Stande nach unterscheidet man den Adel, die Geist-lichkeit, den Bürger und den Bauer. Zum Adel kann in R. jederdurch besondere Verdienste gelangen. Der erbliche Adel wirddurch Verleihung, durch Dienstrang, sowie durch Verleihung einesrussischen Ordens erworben. Der Edelmann wird nur von seinesGleichen gerichtet, gibt keine Abgaben , stellt keine Rekruten, hatkeine MilitäreinquartieruDg, kann Landgüter mit Bauern, sowieLeibeigene ohne Land besitzen etc. Die grieeb. Geistlichkeit wirdeingetheilt in die Mönchs- und weisse Geistlichkeit; zu ersterergehören: die geistl. Gewalten (Metropoliten, Erzbischöfe, Bischöfe,Arcbimandriten, Aebte, Prioreete., sowie die Mönche), zu letzterer:die Oberpriester, Protopresbyter, Erzpriester, Presbyter, Priester eto.Zur weissen Geistlichkeit können Personen aller Stände treten, mitAusnahme der Leibeigenen; die Personen des weissen geistlichenStandes sind frei von allen Abgaben und von derRekruteupflichtig-keit, können weder Güter noch Leibeigene erworben , Ländereienund Häuser kaufen. Die Bürger einer Stadt bilden eine besondereStadtgemeinde und sind nach dem Bürgerbuche in6Theile getheilt.Zu dem ersten Theile gehören die Bürger, die ein Haus oder anderesunbewegliches Vermögen besitzen, in den zweiten Theil dieGilden-bürger, d. h. solche, die ein gewisses Kapital aufweisen können.Ehrenbürger zahlen keine Seelengelder, stellen keine Rekruten unddürfen nicht zu körperlichen Strafen verurtheilt werden. Zu denStadtbUrgern gehören noch : die Bürger oder Beisa'ssen, Hand-werker oder Zünftige, freie Leute, sowie Arbeitsleute. Die Bauernbilden folgende Hauptklassen: die auf Krön- u. Apanageländereienangesiedelten, die auf Palastländereien, gutsherrlichen und aufeigenen Ländereien lebenden. Zu den Leibeigenen gehören: guts-herrliche Bauern und Hofesleute. Sie müssen 3 Tage in der Woohe
m .ein:
für ihren Herrn arbeiten, demselben stets gehoraainkann den Leibeigenen körperlich strafen, 7- umins Zuchthaus schicken und zur Ansiedlung bestl j e nihn mit oder ohne Land veräussern, doch nicht nn '\Vobi' or *^denverkaufen. Der Leibeigene darf ferner a® inö j
verlassen und nicht gegen seinen Herrn klag® 11 - gurl*®^zählte man noch 10,796,461 Leibeigene. In ® sttl --r
Livland wurde die Leibeigenschaft von 1817 ,. fl beiW 1 »*Durch ein kaiserl. Dekret vom 3. März 1861achaft unter gewissen Bedingungen im ganzen ^ a( ;
das Gesetz ist schon theilweise zur Ausführung g e teI1Die Industrie hat sich seit den letzten Jab r7igehoben, früher wurde alles Tuch für die A«®bezogen, jetzt fabriciren den ganzen Beda« . ^©1 a< * u rt jfFabriken. Der ausgedehnteste und am besten betr ^zweig ist die Flachs- und Hanfmanufaktur; k®i®lieh gefertigt in Wladimir, Kostroma, Moskauer»' .^tuch und Tauwerk in Archangel und Orel. ^ ie q^teflwird stark in Moskau, geringer in einigen andern & t ßei ^Die Glasfabrikation hat rasche Fortschritte gß°! hoU pftab*T ^sind die Glasfabriken von Tula und Twer. , v fi0 sieb -jfiCigarrenfabrikation, Pottasche, Seifenbereitung h* TÖP^® 1Zeit sehr bedeutend vergrüBsert. Papier, * e ‘° gt. P®*®Juwelier- und ähnliche Artikel werden in Mosk* • ^
und andern Städten gefertigt. -jbt d® 0 ..^
Die folgende Tabelle nach offlciellen Qu®^fanuf^^djJ^’der einzelnen in Russland jährlich producirten •>* ge*und die Zahl der Arbeiter an . die in den verscbiezweigen beschäftigt sind.
Fabrikation.
Flachs und Hanf . . .
Leder und LederwaarenEisen und EisenwaarenBaumwollenmanufakturWollenmanufaktur . . .
Spiritus, Branntwein etc. .
Seife, Lichter.
Tabak .
Seidenmanufaktur ....
Kupferwaaren.
Platina- und JuwelierwaarenRunkelrübenzucker . . .
Papier, Bücher ....
Ziegelei etc.
Glas, Krystall etc. . .
Bier.
Töpferei und PorzellanüraareiChemische Produkte .
Oblaten, Siegellack .
Werth der Produo»““’112 Will- Bubet.961/, ,
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zusammen 486 Mill- R u 6 ^
Die Hauptartikel der HandelsausfuhrßinHanf und Flachs, Bauholz, Pottasche, Borstet * ^f, “ V
samen, Lein-und Hanföl, Wolle, rohe Häute > ^
aller Art, Leinen, Tauwerk , Caviar, Wach®» u ndEinfuhr kommen vorzüglich Zucker, Bauniwo tffj'
Stoffe und Baumwollgarn, Maschinen, Eie® D ^ ®
Kaffee, Indigo und andere Färbstoffe; W’ollwa , geid®®.Thee, Blei, Zinn, viel Kohlen und Salz, Leinen-Der Werth der Einfuhr betrug im Jahr ( e /jct^
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der Ausfuhr 70 V2 Mill. S. R. Die ersten x V*““Vf e offlReiches sind: Petersburg u. Riga am baltischen T*g £am Weissen Meere; Odessa am Schwarzen Al® ^ jie'
Asowscheu und Astrachan und Baku am KasP 1 j u rcb ,.-.— 1,nd ö
Handel mit China geht grösstentheils überKiachta. Für den innern Handel ist Moskauund wirken günstig die grossen Messen von a fl* jp*
Grosse Märkte gibt es auch in Irbit, Charkow, l 8 ®. joV.
deren Städten. Di® Handelsflotte Russlands „jene des Grossfürßtenth. Finnland, aus 19*7 fj-jjeil -Tonnen Gehalt und 11,860 Matrosen. Der g*° ® nwaren kleine Küstenfahrer und viele von 1 di® di« .
Griechen, die unter russischer Flagge f 11 * 1 .* 0 “' ^loss®®’^ **Schiffszabl Bind auch 396 Handelsdampfer 0 jndi e p e { j
den Flüssen und Seen des Reiches beschäitig ...*0
ihäftig 4 ßZ a 8 en>Nebeoö^ pd e „ ^
ländische Verkehr ist überhaupt stark ini "W ? C n B ^<tieä* ^* 0 ®«!Anzahl von Schiffen werden dafür in England, ftibr e 1 $ 0 ^
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St. Hetersbur^ f ^
Drittel davon auf der Wolga und Ihren ^ e , u ^n ul lC *
■ i,t Uherhannl ,tark im Wachs 1 ® J.»> - ?
landen und Frankreich gebaut.Petersburg nach Zarskoje-Selo, von
und nach Warschau. Dampfschifffahrten fina zW j g cb envon Odessa ins Schwarze und Asowscho Meer, ^ ®>bürg, Reval, Monsund und Riga, oß*'
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St. Petersburg und Kronstadt u. s. w. aulFlüssen in Polen u. s. w.
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Die geistige Cultur Russlands
hat bedeu w "pdA u8 '
gemacht und auch die Literatur hat an ® edeut hurg,
gewonnen. Universitäten gibt es zu St. Peters 459 KJl
kow, Kasan, Kijew und Dorpat, 76 Gymnasi » j eIl für1140 Gemeindeschulen, 640 Privatschulen, 10dazu in Polen ein adeliges Institut, ® P' 1 , _ einpbilolog. Kreisschulen, 1216 Elementarsonn » ^
Land- und Foratwirthschaft, ein Realgyro na j ia j e i»*Künste, 2 höhere Realschulen, 9 Kreis-.R® ^
anstalten; ferner eine kaiserl. medioin.-ch* r ® in \o^A lLasarew’sche Institut für orientalische Sp r a
Dorfschulen mit 2760 Lehrern, 883 Schulen Bowi®fremden Ansiedler, dann viele Militärsobu * QtOHandels-, Landwirthschaft- und Bergsohulen- gFinnland hat eine Universität zu Heliingi®* »