Band 
[Supplement. Fünfter und sechster Theil.]
Seite
50
JPEG-Download
 

so Ned

S. 122. Nedinger.

Dieser wunderliche Schwärmer ließ sich i6s6 im Rapperschwei-lerkriege als Hauptmann gebrauchen, und gab desnahen den geist-lichen Stand auf; er ward aber gefangen, und mußte eine Zeit-lang zu Zug ausdaurenerst hernach kam er in die Pfalzwoer feiner phantastischen Grillen wegen 1665 wieder fortgeschaftworden. 1664 kam er wieder nach Zürich, brachte Amos Co-menii neue Offenbarungen mit sich, und wollte dieselbe der Obrig-keit, wie er sagte, zur Warnung und Trost mittheilen; rühmtesich wundersamer Gesichter, und wollte sich mit seinen propheti-schen Büchern nach Frankreich begeben, und dem König prüfen,tiren. Weder teme Verwandten, noch der große Theolog HeinrichHottinger vermochten lhn weder mit Bitten noch Drohen davonabzuhalten; aueb zu Bern legte ihm Dekan Hummel Hinder-nisse in Weg, aber alles halfnichts; er reiste nach komginebleau,ließ dem König durch den Hauptmann der Leibwache Bücherüberreichen, 2 übergab er dem Marschalt von ^ureime, 2 demErzbischof zu Huris, und 2 der evangelischen Gemeinde zu Vicr^;sie wurden aber, wie sie verdienten, nur mit Verachtung aufge-nommen ; er begab sich deswegen wieder in die Pfalz. Ehe er abernach Krankenthal kam, entsetzte ihn der Churfürst seines Diensts,und befahl ihm, binnen 8 Tagen mit Weib und Kinder das Landzu räumen; das that er: machte sich aber aufdie Reise, seine Offen-barung bey den Juden und Türken auszukramen; er gieng überFrankfurt, Leipzig, Prag und Wien nach Comorra, und wag-te sich heimlich über die waag und Donau in das türkische Lagerbey Neuheufel; er sprach den Großvezier, der ihn bereden woll-te, ein Türke zu werden; 6 Wochen blieb er bey der Armee, sei-ne Offenbarungen aber wurden wenig geachtet. Bey Mohatzwurde er qewarnet, länger bey dem Großvezier zu bleiben; erflüchtete demnach durch Siebenbürgen in die Mallachey. InSiebenbürgen hielte er sich einige Zeit bey dem gleichfalls großenSchwärmer und PropheW Or-chiMs auf, welcher ihm offneSchreiben mit seiner Unterschritt mitgab, du er hier und da über-geben mußte; an den meisten Orten wurde er darüber verlacht,an andern doch mit Reisegeld verabscheuet. Als er am i6.'Jän.i66s wieder zu Frankenthal anlangte, wurde er 6 Wochen lang