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Leben der Pflanzen. ,
treffen, den Boden mit einer fußhohen Humusschicht bedeckt oder durch seinenHumusgehalt ganz schwarz gefärbt sehen. Auf den Grund dieser Beobachtun-gen ist denn der Humus als der Haupternährer der Pflanzenwelt erklärtworden.
Eine genauere und allgemeinere Betrachtung wird uns jedoch leicht dieUeberzeugung gewähren, daß diese Ansicht nicht die richtige ist, daß der Humusnicht die Ursache, sondern die Folge der Vegetation ist.
Die Entwickelungsgeschichte der Erde (Mineralogie §. 115) zeigt, daß die-selbe aus dem feurig flüssigen Zustande sich gestaltete, woraus folgt, daß diezuerst erhärtete Erdkruste unmöglich eine Humusschicht enthalten konnte. Wo-her nahm nun die erste Pflanzenwelt ihre Nahrung? Ja noch heutigen Tageskommt der Fall vor, Laß ein durch vulkanische Thätigkeit aus dem Meere geho-bener nackter Fels alsbald mit einer Vegetation sich überzieht, daß auf der glü-hend ausgeworfenen Lava, nachdem sie verwittert ist, ein üppiges Pflanzenwachs-thum entsteht, daß auf Sandböden, die einen äußersten geringen Gehalt an or-ganischen Stoffen enthalten, Wald und Wiesen mit dem besten Erfolg sich anle-gen lassen, daß endlich Cactus und Hauswurz auf humusfreiem Gestein wachsen,daß wir Vergißmeinnicht, Kresse und Hyacinthen in reinem Wasser ziehen.
Noch auffallender erscheinen aber die folgenden Thatsachen: Wir sehen, daßPflanzungen jeder Art, die auf Humusarmem Boden angelegt werden, den Ge-halt an Humus fortwährend vermehren. Es werden aus den Zucker- und Kaf-feepflanzungen, von den Bananenfeldern jährlich viele Millionen Pfunde vonKohlenstoff in den Produkten der Aerndte hinweggeführt, ohne daß jener Bodenhierfür den mindesten Ersatz, etwa durch Dünger erhalt, und dennoch nimmt seinHumusgehalt nicht ab, sondern es findet eine Vermehrung desselben Statt. Indem Heu, das ein Morgen fruchtbarer Rieselwiese liefert, werden 2000 PfundKohlenstoff hinweggeführt, und obgleich dieses Jahr für Jahr geschieht, so machtsich doch keineswegs die Nothwendigkeit fühlbar, durch irgend eine Zufuhr diesenKohlenstoff wieder zu ersetzen.
Aus dem seither Angeführten geht unwiderleglich hervor, daß der Humusunmöglich die ursprüngliche Quelle der Kohlensäure sein kann, wodurch die Pflan-zen ernährt werden. Wir haben vielmehr als das Magazin, aus welchem dieseihr Hauptnahrungsmittel beziehen, die Atmosphäre zu betrachten. Dieselbeenthält zwar in 5000 Maaßtheilen nur zwei Maaß Kohlensäure, allein bei ih-rem ungeheuren Umfang berechnet man ihren mittleren Gesammtgehalt an Koh-lensäure auf 8440 Billionen Pfund, ein Verrath, der mehr als ausreichend er-scheint, um eine Vegetation zu ernähren, die sich über die ganze Oberfläche derErde verbreitet.
Aus der Luft kann die Kohlensäure direkt durch die Spaltöffnungen derBlätter aufgenommen werden. Versuche haben gezeigt, daß einer kohlensäure-haltigen Luft ihr Gehalt an Kohlensäure gänzlich entzogen wurde, als mansie durch einen Ballon leitete, der grüne Blätter oder Zweige enthielt. Der