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Plato's Unterredungen über die Gesetze / aus dem Griechischen übersetzt von J.G. Schulthess
Entstehung
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23
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p. L33.

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Erstes Buch.

ländischcn Gesetze vorrückte, so wollen wir Vorüber nichtböse werden, sondern es einander zu gut halten.

Kleinias. Du hast Recht, Fremdling von Athen;das soll unter uns auf- und angenommen sein.

Der Athener. Es würde auch in der That Män-nern von unsern Zähren übel anstehen, hitzig zu werden.

Kleinias. In der That.

Der Athener. Ob man an der lacedämonischenund an der kretischen Staatseinrichtung mit Recht et-was tadeln könne, oder nicht, davon ist jetzt nicht dieRede; obwohl ich vielleicht besser, als ihr beide, sagenkönnte, was für Urtheile in den andern Städten dar-über ergehen. Denn so gut auch euere übrigen Gesetzesein mögen, so dürfte doch das eines der schönsten sein,welches jungen Leuten untersagt, über die Borzüge oderMangel der Gesetze nachzuforschen, und ihnen strenge ge-beut, einhellig zu bekennen, daß euere Gesetze, weil sie vonGöttern gegeben sind, alle weise und gut seien, und es durch-aus nicht zu dnldm, daß jemand etwas anderes sage; dasnur Greisen, die erwas gegen ein Gesetz zu erinnern wüßten,erlaubt, mit Vorgesetzten oder Männern ihres Alters,aber niemals in Gegenwart junger Bürger, einen solchenGegenstand zu besprechen.

Kleinias. Das ist vortrefflich, Fremdling. Ichmöchte dich für einen Wahrsager halten. Du warst vonunserm Gesetzgeber so weit entfernt, und konntest so we-nig wissen, was seine Absicht bei diesem Gesetz war, unddoch, däucht mich, hast du sie glücklich errathen, unddie lautere Wahrheit geredet.

Der Athener. Da also jetzt kein junger Menschbei uns ist, und wir unsers Alters wegen von demGesetzgeber Erlaribniß haben, so wird es keine Sünde