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Winke für das rechte Betreiben
der Terminologie für den Anfänger das zur Kcnntnißnahme unse-rer einheimischen Pflanzen vorzugsweise Nöthige hervorzuheben.
Aber auch dieser Abriß ist keineswegs dazu bestimmt, umvorn Anfange bis zu Ende auswendig gelernt zu werden und sinddeshalb folgende Regeln für seine Benutzung dringend nöthig:
1. Vergesse der Anfänger nicht, daß die Botanik überhauptund vor allen die Terminologie nicht ohne lebende Pflanzen betrie-ben werden dürfe. Nur erst durch die Anschauung der Form selbst,wie sie die Natur darbietet, nur erst durch die Vergleichung desAehnlichcn bekommt die Sache Leben und Interesse und kann manzur deutlichen Auffassung und Unterscheidung der Haupt- wie Ne-benformen gelangen. Der Anfänger nehme daher auf jeder Exkur-sion eine große Menge bekannter und unbekannter Pflanzen mitnach Hause, vergleiche alle Arten vorliegender Wurzeln, Blatter,Blüthen u. s. w. und versinnliche sich vermittelst des Abrisses mög-lichst jede einzelne Form.
2. Der Anfänger wolle nicht mit ein«« Male die ganzeTerminologie erlernen und nicht eher von einem Organe, von einerForm zur andern übergehen, als bis er dieselbe nach allen Rich-tungen hin auf da» genauste kennen gelernt und erfaßt hat. DieTerminologie muß allmählich und ohne mechanisches Erlernen dasEigenthum des jungen Botanikers werden.
3- Vor allen mache sich der Anfänger mit den einzelnenTheilen der Pflanze vertraut und versinnliche sich mittelst des Ab-risses durch die Anschauung an lebenden Pflanzen welcher Theil-.Wurzel, Wurzelstock, Stengel, Blatt, Kelch, Blumenkronc, Staub-gefäß, Stempel, Honiggefälft Fruchthülle, Same u. s. w. genanntwird. Die genauste Kenntniß dieses SccletS ist unerläßlich, denndaran reihen sich alle andere terminologischen Bezeichnungen.
4. Da cS eine große Reihe von Bezeichnungen der Eigen-schaften der einzelnen Pflanzcnorgane giebt, die entweder allen ge-meinschaftlich zukommen oder es doch für mehrere gleichzeitig seinkönnen, so ist eS nöthig, daß sich der Anfänger von diesen zunächstinformiren; er findet die nöthigsten von §. Z. bis §. 16. des Ab-risses. Die bciweitcn «leisten Bezeichnungen werden keine Schwie-rigkeiten mit sich führen, denn sie dienen gleichfalls zur nähern Be-stimmung noch anderer Dinge in eben dem Sinne und ist deshalbhier nur das dafür festgesetzte lateinische Kunstwort von Wichtig-keit; von den übrigen mache der Anfänger nur die vorläufige Be-kanntschaft, durchlese sie mehrere Male mit Aufmerksamkeit, damiter eine Idee des zu Erlernenden erlange und in den. Abrisse Be-scheid lerne, und erspare die genaue Einprägung derselben bis zuder Zeit, wo er die Pflanzen genau analysirt, beschreibt und be-stimmt.