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Flora von Pommern und Rügen / herausgegeben von Dr. Wilhelm Ludwig Ewald Schmidt
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des botanischen Studiums.

Die paßlichstc Zeit zum Sammeln ist in den Vor- undNachmittagSstundcn heiterer Tage Während des Regens, Thausund in der brennenden MittagShitze sammelt man nicht gern, weilsolche Pflanzen beim Trocknen im ersten Falle leicht schwarz wer-den und schimmeln und im letzter» zu schnell verwelken und sichdenn schwer und schlecht einlegen lassen.

Als Hauptrcgel für das Sammeln selbst gilt nur ganzvollständige Ercmplare, d. h. solche, die alle zur richtigen Er-kennung der Art nöthigen Theile besitzen, aufzunehmen.

Da die Blüthe stets von höchster Wichtigkeit ist, so nehmeman stets nur solche Gewächse auf, die in der Blüthe stehen undwähle wo möglich nur solche Exemplare derselben, die so eben ihreKelche geöffnet.

Kleine, das Format des Herbariums nicht überschreitendePflanzen hebt man immer mit der Wurzel aus und trocknet sieauch mit derselben. Bei größer» Gewächsen, wenn es nicht Sträu-cher oder Baume sind, verfährt man ebenso, und entfernt erstdann die Wurzel, wenn man sich überzeugt Hat, daß sie keine be-sondere Eigenthümlichkeit darbietet. Wurzclblätter sind sehr oftabweichend gestaltet von den Stcngclblättern und dürfen, wenndies der Fall ist, nie fehlen. Zur Bestimmung der Gattungen istes stets nöthig, die Früchte zu kennen, darum nehme der Anfänger,wo cS angeht, außer blühenden Exemplaren der Art auch schonverbleiche, Behufs der Bestimmung, mit, und merke sich vorzugs-weise die Familien z. B. die Compositen, Umballaten u. s. w., welcheohne Fruchtansätze ganz unbestimmbar sind Sind die Gewächsesehr groß oder gar Sträucher und Bäume, so nimmt man nur ei-nen blühenden Zweig, an dem mehrere Blätter sitzen, untersuchtdie Wurzclblätter und nimmt diese gesondert auch noch mit, wennsie Abweichungen zeigen. Findet man einen blühenden Strauchoder Baum ohne bereits entfaltete Blatter, so müssen diese späternachgeholt werden. Sind die Pflanzen getrennten Geschlechts, somüflen männliche und weibliche Individuen gleichzeitig eingesam-melt werden. Bedeutende Abweichungen von der Norm (Varietä-ten) verdienen nicht minder eine Berücksichtigung.

Die eingesammelten Pflanzen müssen, sollen sie für dasHerbarium später brauchbar sein, kunstgerecht eingelegt und getrock-net werden. Zum Trockcnmateriale dienen am zweckmäßigstenvöllig krockncS, weiches, knotenloseS, nicht zu grobes Lösch- oder Druck-papier oder alte Folianten mit steifen Holzdeckeln und Krampen.

Die Hauptregel des Einlegend ist: Breite die einzulegende,gereinigte und von allen verdorbenen Theilen sorgfältig gesäuberte