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Französische Verfassungsgeschichte von 1789-1852 : in ihrer historischen Aufeinanderfolge und systematischen Entwickelung / dargestellt von Simon Kaiser
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I. Das Land und die Bevölkerung.

selbem da; allein eine noch größere Bedeutung erhielt sie dadurch, daß sie alsberathendes Glied in Gesetzgebung und Verwaltung auftrat, wo der Staatihrer verlangte. Dieser Theil des Staates, dieser Staat im Staate übteaußer seiner politischen Bedeutung seine Macht durch die Herrschaft desGlaubens aus und durch den Umstand, wovon unten näher die Redesein soll, daß er die Erziehung ganz in seinen Händen hatte und sie durchdie Corporarionen in den Klöstern oder durch ihre Angestellte und aus seinerMitte genommenen Lehrer ertheilen ließ.

Das Verhältniß der einzelnen Glieder dieses Standes zu einanderwar das der auf die Hierarchie gebauten Eifersucht, wozu noch die wegender politischen Ungleichheit trat, indem der Geistliche vom Adel, vom Bür-ger-, Bauern - oder Handwerkerstände neben seiner jetzigen Bedeutung auchdie seiner Herkunft nicht vergaß und gemäß der Schranken, die man auchin der Hierarchie gezogen halte, nicht vergessen konnte. Dem Bürger undBauer gegenüber war der ganze Klerus verhaßt, weil er trotz seiner großenEinkünfte nur wenig Steuern zahlte. Mit dem Adel bildete er oft einGanzes, je nachdem es die Umstände verlangten und stand ihm als eben-falls bevorrechteter Klasse jedenfalls näher als dem Bürger, besonders daer mit jenem zunächst allein die Stände bildete, die sich dem Königthumean die Seite stellten.

Werfen wir noch einen Blick auf die kirchliche Bedeutung des Klerusin Frankreich, so hat er eine traurige Geschichte auszuweisen: Blut bezeich-net seinen Gang. In der Waldenserverfvlgung, den religiösen Bürgerkrie-gen zur Zeit der Reformation, besonders in der Bartholomäusnacht, in derVerfolgung der Janscnisten und in der Aufhebung des Edictcs von Nantes,wodurch eine große Zahl thätiger Bürger Frankreich zu verlassen genöthigtwar, hat er sich Denkmale gesetzt, die eine erwachende Zeit mit Entsetzenbetrachtet. Weder sein Standpunkt in der Gegenwart, noch seine Geschichtekönnen für ihn sprechen; durch beide ist er ein Gegenstand des Hasses undder Verachtung und zeigt sich dem denkenden Geiste der Neuzeit als einElement, das seine Bedeutung verloren hat und verlieren muß, sei es vomStandpunkte der Macht des Staates, sei es von dem der Philosophie aus.

Als zweiter Stand im Reiche erschien der Adel, in seiner Gesammt-heit etwa 120,060 Köpfe stark. Seine Zusammensetzung ist eine sehr ver-schiedene eben nach der Ursache, die den Adel verlieh. Seine Hauptbedeu-tung gründete sich auf den Besitz eines Lehens mit dem Rechte, entwederselbst die Streitigkeiten der Bewohner dieses Lehens entscheiden zu können,oder aber Gerichte einzusetzen, die im Namen des Lehensbesitzers Recht