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Französische Verfassungsgeschichte von 1789-1852 : in ihrer historischen Aufeinanderfolge und systematischen Entwickelung / dargestellt von Simon Kaiser
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I. Das Land und die Bevölkerung.

alle auszählen, die ein finanzbedürftiger Polizcistaat hat. Viel Eigenthum,wie die königlichen Domänen, sg. Erb- und Stammgüter, die Pairs-undHerzogssitze, die Güter des Klerus und milder Stiftungen, wie Spitäler,konnten gar nicht veräußert werden.

Auf Holz halte der Bauer mit wenigen Ausnahmen gar kein Recht;alle Waldungen waren im Besitz der Krone, des Adels, der Geistlichkeitund milden Stiftungen, des reichen Dürgerstandes. Einige Pfarreien bloshatten auf einige Waldungen Eigenthumsrecht, das aber durch die könig-lichen Forstämter verwaltet wurde. Damit war hie und da auch das Rechtauf den Wcibgang in die Waldungen verbunden, das diese Pfarreien aus-üben konnten. Das Urbarmachen war nur mit Bewilligung des Königsgestattet.

Was das Land an Weinbergen besaß, ließen die Eigenthümer durchPächter in eigener Verwaltung und Aufsicht unmittelbar für ihren Genußoder Verkauf bearbeiten.

So stellt sich denn als allgemeine Uebersicht heraus, daß das Landnicht nur politisch gedrückt, sondern mit Bezug auf Vermögen sehr armwar. Die größere Zahl der Grundherren verließen ihre Ländcreien, begabensich in die Städte, um entweder die Gunst beö Hofes oder die Annehmlich-keiten der Gesellschaft zu genießen; der gleiche Fall war mit dem Bürger,der Grundeigenthum besaß und es durch Pächter bearbeiten ließ. Soflössen denn alle Abgaben, Steuern und Pachtzinse in die Städte, wo derAufwand im Lurus wenig mehr in das Land zurückfließen ließ. DerartigeUmstände mußten den Bauer für Staat rc.' ganz gleichgültig machen,oder, und zwar nicht selten, einen übelverstcllten Haß gegen die Grund-herren verursachen, besonders da, wo dieser zur Besorgung seiner Geschäfte,Beziehung der Gefalle und Renten Verwalter hatte, die, aller Menschlich-keit baar, mit wahrer Wuth ihre Untergebenen verfolgten. Zwar suchtehie und da der untere Klerus, indem er eine christliche Entsagung, strengeSitten, womit man unendliche Hoffnungen auf das Jenseits verband,predigte, Schmerz, Grimm und wilde Aufregung zu mildern und zu besänf-tigen. Aber Alles hat eine Grenze und die christliche Demuth, Selbstver-achtung noch sehr bald, und außerdem war hier oft der Fall, daß der armeLandpfarrer, selbst von armen Aeltern geboren, die Gefühle und Gesinnun-gen seiner Pfarrgenossen theilte. Am Schlüsse dieser Darstellung willich vorzüglich ersuchen, die Punkte im Gedächtnisse zu behalten: Armuthder Bauern und Abneigung gegen die Grundherren. Sie werden wichtig,wenn man sich erinnert, daß mit dem Ausbruche der Revolution gerade