II. Der Staat und die Regierung.
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tritt, die Mittel zu seinen Handlungen aber in den Bestandtheilen derNation findet, diese somit nur in zweiter Linie als Mittel in eines FürstenHand erscheint» Die Darstellung zerfällt daher in zwei Theile: zu betrach-ten, wie Frankreichs Mittel zu denen andrer Reiche stehen und dann diePolitik des Königs zu erörtern. Ein beständig reges Gefühl nach Ehreverband aber diese zwei Punkte enge aneinander, indem jeder Franzose,wenn es galt, nach Außen kräftig aufzutreten, dem Könige große Opfer zubringen geneigt war. Bevor wir an die Darstellung nach Außen gehenoder eigentlich als Eingang ist die Erinnerung dessen, was Frankreich seiteinem Jahrhundert gethan hat, wichtig. Es war als erobernde Macht inEuropa aufgetreten, hatte seine Macht vergrößert, in der Absicht, damitnoch mehr zu erwerben; denn dies gehört zum Staate, seine Eristenz zusichern, was bei Mächten, die gegenseitig Mißtrauen zu einander haben,nur durch wechselseitige Vernichtung geschehen kann oder aus Rechnungnaher Dritter, mit denen man sich verstärkt; während die Staaten, dieden Rcchtssinn im Innern ausgebildet haben und ihn nach Außen nicht ver-letzen wollen, ruhig bleiben. Vergrößert hatte sich seit Kurzem Frankreichmit dem Elsaß, der Freigrafschast, Lothringen, den sg. drei BisthümernMetz, Toul und Vcrdün, mit Rossillon, hatte sich mit Spanien verbündet,ja beinahe identisch gemacht. Allein auch da, wo es unmittelbar Nichts er-langen konnte, war es thätig, wenn es sich darum handelte, Feinde zuschwächen; so hatte es Bayern gegen Oesterreich und später dieses gegenPreußen unterstützi; wo nur die entfernteste Gelegenheit war, aufzutreten,hatte Frankreich seine Hand in den Geschäften. Deshalb mußte es auch anallen Höfen und Staaten seine Gesandten und Vertreter haben. Frankreichscheint in dieser Beziehung sich über ganz Europa zu erstrecken. Diese Aus-breitung und Macht zu erhalten, war Aufgabe der Regierung Ludwig's XVI.Zeigte dieser Monarch auch einen friedlichen, oder wohl auch trägen Cha-rakter, so glaubte er nichtsdestoweniger Nordamerika gegen England unter-stützen zu müssen. Als Feindseligkeit gegen dieses handelte er im Sinne desKontinentes, um Englands Macht zubrechen, wie ja denn unterKatharina's II.von Rußland Betreiben die bewaffnete Sceneutralität zu Stande kam mitdem Grundsätze: „frei Schiff, frei Gut". Desto geneigter war er aber,dem Kontinente gegenüber Frieden zu erhalten, besonders durch seine Hei-rath mit einer österreichischen Prinzessin jetzt persönlich dafür interessirt. Derseit 1783 herrschende Friede ist viel Frankreichs Werk, und es läßt sich deshalb,da sich die Elemente einer ruhigen Betrachtung darbieten, leichter eine gewisseUebersicht über sein Verhältniß zum Auslande geben. Wir müssen aber hier