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Französische Verfassungsgeschichte von 1789-1852 : in ihrer historischen Aufeinanderfolge und systematischen Entwickelung / dargestellt von Simon Kaiser
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Zweites Hauptstück. Die Elemente des Neuen

noch der weise Philon, noch irgend ein griechischer oder römischer Schrift-steller thut dieser Wunder Erwähnung. Ja zuletzt hat Wollaston die Un-klughcit, zu sagen, daß die Geschichte des Lazarus voll von Ungereimtheitensei und daß Johannes fabelte, als er sie schrieb."

Zwei wichtige Fragen stehen mit diesen Zweifeln über den göttlichenUrsprung des Christenthums in Zusammenhang; die eine betrifft die Messeals Wiederholung des göttlichen Opfers, die andere die Erbsünde, auf diesich die Nothwendigkeit der Erlösung stützt. Ueber die Messe behauptetVoltaire, sie sei eine erst im vierten Jahrhundert ausgekommene Weise zurErinnerung an das Abendmahl; er verbreitet sich dann aber weit und breitüber das Tanzen, das damit in Verbindung stand und noch heutzutage aueinigen Orten damit in Verbindung steht, in der Voraussetzung, daß Chri-stus am Abendmahl? mit seinen Jüngern getanzt habe. Der Hauptpunktder Messe, die Verwandlung des Brodes und Weines in den Leib und dasBlut Christi, ist nach ihm der letzte Ausdruck der Unverschämtheit der Prie-ster und der Schwachheit der Weltlichen, enthalte ebenso viele Unmöglich-keiten als Ungereimtheiten nnd verursache selbst Schrecken, wenn man diesaubern Priester zu Hunderten Gott machen sieht. Ueber die Erbsündeführt er die Widerlegungen einer christlichen Seele, der Socinianer, an:Es heißt Gott beleidigen, sagen sie, es heißt ihn der ungereimtesten Bar-barei anklagen, wenn man zu sagen wagt, daß er alle Geschlechter der Men-schen gebildet habe, um sie in ewigen Qualen zu Plagen, unter dem Vor-wandc, daß ihr erster Vater eine Frucht in einem Garten. Diese gottcs-schänderischc Zumuthung ist bei den Christen so unentschuldbarer, als keineinziges Wort weder im Alte» noch Neuen Testamente, noch auch in denfalschen Evangelien oder in den Kirchcnväter» zu finden sei. Es ist selbstin der Genesis nicht erzählt, daß Gott Adam zum Tode verurtheilt habe,weil er einen Apfel gegessen hat. Er sagte ihm wohl: Du wirst ganz ge-wiß sterben in den Tagen, als Du hiervon essen wirst; allein die Genesisläßt Adam noch Jahrhunderte nach diesem verbrecherischen Frühstücke leben.Die Thiere, die Pflanzen, welche nicht von dieser Frucht gegessen haben,sterben in der von der Natur vorgeschriebenen Zeit. Der Mensch ist ge-boren, um zu sterben, wie alles Uebrige. Endlich ging die BestrafungAdam's nicht mehr in das jüdische Gesetz ein. Adam war nicht mehr Jude,als Perser oder Chaldäer. Die ersten Bücher der Genesis wurden vonallen jüdischen Gelehrten als eine sinnbildliche Darstellung und selbst alseine sehr gefährliche Fabel betrachtet, weil es verboten war, sie vor erreich-tem sünsundzwanzigsicn Altcrsjahre zu lesen. Mit einem Worte sie erkannten