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Städten nahm Habsucht und Vornehmthuerei her bürger-lichen Obrigkeiten, in den Aemtern Bestechlichkeit, in denGemeinden rohes Wesen, beim Pöbel Ausschweifung undRänöerlust zu. Das Gesey war oft nur ein trüglich Netz,durch welches der Reiche beguemlich ging, der Arme sichfing. Und die Gerechtigkeit, wenn sie zu lange gcschlum-mcrt hatte, erwachte nicht selten zum blutdürstigen Zorn.Nur im Jahre 1480 wurden binnen drei Monaten bei fünf-zehnhundert Mörder und Räuber in der Schweiz von denGerichten vernrtheilt. Denn auf dem Tag zu Baden warbeschlossen: Wer so viel stiehlt, als ein Strick werth, sollohne Gnade hangen. Des ReiSlaufenS in fremde Kriegewar kein Ende. Da zogen oft bet hundert und raufendjunge Leute, mit Spielleulen an ihrer Spitze, fort überden Rhein und über die Berge^ um den Fahnen der Könige»u folgen und Bcnre zu machen, oder den Tod zu finden.Auch an KriegShäudeln ringsum fehlte es nicht. In einen,einzigen Jahre (I4v7) wurden auf der italienischen Seitevier Kriege geführt, von den Bündnern gegen Mailand,von ihnen und Eidogenossen bei Roveredo gegen Venedig,von den Walliscrn gegen Mailand, von den Berncrn undAndern der westlichen Schweiz für den Herzog von Savoiengegen die Piemoulcser bei Saluzzo.
Auch an innern Zerwürfnissen und Aufrühren fehlte eSnicht. Die adclichen Herren und die Priester in Zürich,welche den klugen und tapfern Hanö Waldmann, Bür.grrmeistcr dieser Stadt, auf den Tod haßten, weil er sieeinzuschränken suchte, wiegelyn durch allerlei Reden Bürgerund Landvolk gegen ihn auf, hießen ihn einen Tiranncn,der eigenmächtige Satzungen mache und die alten Rechteverletze. ES war HanS Waldmann eines LandmannSSohn von Blikestors, im Lande Zug, als Gerber gen Zü-rich gekommen, durch großen Verstand und tapfern Sinnerhöht, als Sicaeshcld bet Murren und Nancy berühmtund bet EidSgenoffen und Fürsten hoch geworden. Aber dieEidSgenossen hakten gegen ihn, daß er mit Oesterreich undMailand zusammenhielt, und die Züricher, daß er auS Let-Lenschaft und Stolz seine Gewalt mißbrauchte. Das ließsich der Bürgermeister nicht anfechten; und wehe dem, derwider ihn handelte oder redete. Als Frisch hanö Th eiligvon Luzern, der Kriegsheld von Giornico, welcher Wald-manus Parlc.ckchkeit für Mailand oft getadelt hatte, einesTagcS mit Tuchwaaren nach Zürich kam, ließ ihn Wald-mann fangen und enthaupten, wie sehr auch Luzern für daSLeben des Helden gebeten hatte.
Solcher vcbermuth brachte diesem an großen Gaben rei-chen Alarm allgemeinen Haß und endlich Untergang. Denn