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»trauenS desselben nicht für gewiß halten, wenn nicht auch»die Urkunde, die ihn darin zurückhielte, durch des Volkes»Stimme genehmigt wäre. Auch sei er dem Volke ein»neues Opfer schuldig, welches er bringen werde, wenn»die Stimme desselben eS ihm gebiete." Die beiden andernKonsuln aber scheuten sich nicht, zwei Tage später denSenatSbeschluß dahin abzuändern, daß das französischeVolk über die Frage, »soll Napoleon Bonaparte Konsulauf Lebenszeit sein", abstimmen, und zu dem Ende inallen Gemeinden der Republik Register eröffnet werdensollten. Konnte doch das französische Volk, wenn es überseine theuerste Angelegenheit befragt würde, keine andereSchranke, als seinen eigenen Vortheil kennen. Und inden nächsten Tagen waren alle Register eröffnet. Durch dieStiftung der Ehrenlegion aber schien man in einem Lande,wo man so entsetzlich gegen jede Ungleichheit gewüthethatte, wieder neue Auszeichnungen, neue Bevorrechtungenbegründen zu wollen. Zwar fehlte eS nicht an Gegen-sätzen, aber die Männer deö Widerstrebens, wie BenjaminConstant, Carnot, Camille Jordan u. s. w., standen dochzu vereinzelt, und die Abstimmungen über dcS glücklichenFeldherren lebenslängliches Konsulat gingen überall vonstatten. Ende Juli fand es sich, daß unter 3,577,379 Bär-gern, die ihre Stimme gegeben, nur 8494 eS gewagthatten, gegen den Vorschlag zu stimmen. Ein SenatS-bcschluß vom 2 . August sicherte daher dem ersten Konsuldie höchste Würde auf Lebenszeit zu, und nach wenigenTagen trat eine neue, längst bereitete Verfassung in'üLeben, in welcher der durchgreifenden Kraft deS oberstenMachthabers ein gewaltiger Spielraum eröffnet, die frü-herhin übersprudelnde demokratische Richtung und die die-selbe begünstigenden Gestaltungen aber weit enger einge-dämmt wurden. Mochte auch Stapfer in seinen Berichtendas häufig ausgestreute Gerücht belächeln, als ob eS umdie Ausrufung eines Kaisers von Gallien zu thun wäre,für jeden Hellsehenden war der Gang der Dinge in Frank-reich sattsam bezeichnet.