Band 
Erster Band.
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Bilder aus Rußland.

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Meilen von ihrem Bette auf fünf bis sechs Wochen zu einem unab-sehbaren Meere macht. Diese Ueberschwemmunge» der Wolga undder übrigen großer» Flüsse, der Wijätka, Kama, Kinel, Jrgis u. s. w.,welche sich in die Wolga ergießen, machen diese Gegenden sehr leb-haft uud fruchtbar zugleich. Man fährt zur Lust und des Handelswegen zu jener Zeit mit nicht unbeträchtlichen Schiffen, die zweiMäste und sechs bis zehn kleine Kanonen tragen, und oft hundertund mehr Reisende aufnehmen, über Wiesen und Felder zu den be-nachbarten Städten, die auö dieser Ursache alle auf Anhöhen liegen,und wenn die Gewässer wieder in ihre gewohnten Ufer zurücktreten,ist der von ihnen verlassene Boden oft eine Elle hoch mit furchtbaremSchlamme bedeckt, in welchem alle Gewächse bei der nun eintretendenHitze schnell und kräftig gedeihen. In Niederungen bleiben auchSümpfe zurück, deren Wasser mehrere Monate stagniren, in Fäulnißübergehen und diese sonst so gesunden Gegenden im Juli und Augustmit bösartigen Fiebern plagen. Das Gouvernement Ufa besonderswird in jener Zeit von einem Wechselsieber heimgesucht, welches denKranken nur alle sieben Tage einmal befällt, aber so heftig ist, daßes meistens mit dem Tode endet. Auch in und um Kasan sind dieWechselfieber, wenn gleich nicht tödtlich, doch ungemcin angreifend.Diese Fieber sind in Kasan ein- oder dreitägig, sehr selten viertägigund sie unterscheiden sich von den kalten Fiebern unserer Gegendenneben anderen Erscheinungen vorzüglich dadurch, daß der Kranke bei-nahe keinen Frost, sondern nur ein schmerzhaftes Ziehen im Nückgratefühlt, dem aber bald eine sehr große Hitze und ein äußerst heftigerKopfschmerz folgt, bei dem man jeden Pulöschlag wie den eines Ham-mers fühlt. Die russischen Aerzte kuriren dieses Fieber ganz alleinmit Chinarinde.

Da wir vom Fieber sprechen, so sey es uns erlaubt, hier nocheiniges diese Krankheit Betreffende anzuführen, was im Auslande wohlnoch nicht bekannt ist. Der Russe verbindet einen ganz besondern' Aberglauben mit dieser Krankheit, wie sie denn überall wegen ihrer! auffallenden Sonderbarkeiten des regelmäßig zu derselben Stundewiederkehrenden Anfalls bei sonst gesundem Körper und dergleichen,den Volksglauben in ganz besondere Thätigkeit zu versetzen pflegt.Die Russen und nicht bloß die sogenannten gemeinen, halten dasWechselfieber für eine weibliche Person, die in nächtlicher Stille um-herschleicht, um sich nach ihren oft sehr sonderbaren Launen ihre Opferauszusuchen. Diese Person oder dieser weibliche Geist heißt Lichoratka,