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Bilder aus Rußland.
ich mit seiner Frau, die nun durch meine Gegenwart auch Muth er-hielt, ihm entgegentrat. Mein Zureden, sich selbst zu schonen, undwohl auch die Scham, sich von mir in seiner Blöße überrascht zusehen, bewog ihn, scheinbar nachgebend, ins Zimmer zu treten.Athemlos mit sprühenden Augen warf er sich auf sein Sopha undbot mir einen Platz neben sich an. Anfangs konnte er vor verhaltenerWuth nicht sprechen, als er aber wieder seiner mächtig wurde, suchteich ihn, der immer einen Schlagfluß fürchtete, aus die Gefahr, inwelche Er durch solche Aufwallungen seine eigene Gesundheit versetzte,aufmerksam zu machen, während seine snnge und schöne Frau ihn mitSchmeichelwortcn besänftigte. Als sich allmälig der brausende Stromseines Zorns verlief, wagte ich es, ihm auch zu bemerken, daß derMensch doch wohl nicht so gar schlecht seyn könne, da er mir ihnselbst so oft als den besten und gutwilligsten Burschen geschilderthabe. Er sah mich gleichsam wegen meiner Dreistigkeit starr an,sprang plötzlich auf und ergriff meine Hand mit den Worten, denersten, die ich seit seiner Erpostnlation mit dem Bedienten gehörthatte: „Sie haben nicht Unrecht, eS ist sonst ein guter Kerl, undich habe eS zu arg gemacht. Nikalai!" rief er setzt aus vollem Halseund der arme, gemißhandelte Bediente trat beinahe auf allen Vieren,wie ein furchtsamer Hund, zur Thüre herein. Ich besorgte schon dieplötzliche Erneuerung der vorigen Scene, als ihm der Herr befahl,den Mauerschrank zu offnen, und den Wotki (Branntwein) nebst demgroßen, geschliffenen Ehrenglase zu bringen, das sonst nur für Gästevon Bedeutung gebraucht wird. Der arme Nikalai brachte mit zittern-den Händen, was der Herr verlangte; dieser schenkte den Pokal vollbis an den Rand und reichte ihm denselben: „Nimm," sagte er,„bist ein guter Hund, aus unsere-Gesundheit!" Nikalai nahm undtrank aus dem Ehrenbrccher, den er sonst zu berühren sich fürchtete,und, ich sah sie, die Thräne der Dankbarkeit rann seine brauneWange herab, der Dankbarkeit gegen den guten, gnädigen Herrn,der ihn solcher Ehre gewürdigt. Wir sprachen später in ruhigerStunde oft von diesem Auftritte und von ihm besonders wollte ichmeinen Beweis hernehmen, daß diese Menschen gewiß mit Gut-müthigkeit besser, als mit Strenge zu leiten wären. Er aber lächelteund meinte, ich kenne sie nicht, und man könne ohne Schärfe mitihnen nichts ausrichten.
Wenn auf diese Weise noch einige Eingeborne an diesen ver-alteten, barbarischen Vorurtheilen hängen, so mag es den Unwillen