Band 
Erster Band.
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Bilder aus Rußland.

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habe, meinte er, ich gehe wohl deßwegen hin, um sie zu sehen. Ichbemerkte ihm, daß das meine Absicht nicht sey, da ich im Vorausüberzeugt seyn könne, dort nichts Neues, nichts von den andern um-liegenden Dörfern Verschiedenes zu treffen. „Je nun, Väterchen,"fragte der Neugierige mit Verwunderung, „warum gehen Sie dennhin?" „Ich gehe bloß," sagte ich, „um zu gehen, um mir einBischen Bewegung in der freien Lust zu machen." Der Freund brachin ein lautes Gelächter aus, als er endlich den Grund meiner Aus-flüge erfuhr, der ihm und allen Andern schon lange ein Räthsel war.Gehen, um zu gehen! So was hatte er in seinem ganzen Leben nochnicht gehört, und in kurzem lief diese nie gehörte Redensart in derganzen Stadt herum, so daß man mich noch im folgenden Jahre injeder Gesellschaft freundlich damit aufzuziehen pflegte.

Daö Zusammenkommen in häuslichen Zirkeln ist also bei denRussen die eigentliche Basis aller ihrer Vergnügungen und Genüsse.Man findet dieß nicht nur bei den Großen in den Hauptstädten, son-dern auch bis herab zu den ärmsten Bauern, und wer nur immereine Hütte hat, wird auch, wenigstens an besonders festlichen Tagen,eine kleine Gesellschaft in ihr zu versammeln und diese nach Kräftengut zu bewirthen suchen. Besonders sind die langen Winterabendediesen geselligen Zusammenkünften geweiht, wo eS oft nach vollendeterArbeit sehr lustig hergeht. Nicht selten sieht man da ländliche Possen-spiele und förmliche Maskeraden von den jungen Leuten beiderlei Ge-schlechtes aufführen, und dieselben ihre öfter freilich auch etwas rohenSpäße treiben. Das Ganze beschließt gewöhnlich ein Pfänderspieloder ein Tanz bei einfacher Musik. Die Aeltern vergnügen sich indessenmit den Karten, oder mit dem Damen- und Schachspiele. Diesebeiden letzten Spiele sind durch ganz Rußland im allgemeinen Ge-brauche und sie werden nicht bloß in müßigen Stunden zu Hause,sondern auch in den Buden von den Krämern und Kaufleuten, vomgemeinen Mann und von Kindern auf der Gasse gespielt. Dieß istdie Ursache, warum man hier so viele vorzügliche Schachspieler findet,wie denn oft mancher russische Bauer eine solche Celebrität in derUmgebung erhält, daß die Adeligen aus großen Entfernungen zu ihmkommen, um ihre Kräfte an den seinen zu versuchen. Da es, wiebei unö, meistens ohne Geld, sondern bloß der Ehre wegen gespieltwird, so verderbt es nicht, wie die abscheulichen Karten- und Hasard-spiele, den Geist des Volkes, sondern erhebt denselben vielmehr.

Eben so ist es bei den Bemittelten, in den größern Städten des