Band 
Erster Band.
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Bilder aus Rußland.

llchcn und selbst nothwendigen heißen Stuben setzen nämlich denKörper sehr oft der schnellsten Abwechslung zwischen den beidenäußersten Temperaturen aus. Es ist nichts Seltenes, in der Stubeeine Hitze von 30" R. zu haben, während außerhalb derselben eineKälte von eben so viel Graden herrscht. Da nun der Bewohnereiner solchen Stube seiner Geschäfte wegen sie mehrmals des Tagsverlassen und sich der Temperatur der äußern Luft aussetzen muß, sounterwirft er sich dadurch einem Temperaturwechsel von vollen 60",den auch eine russische Konstitution nicht zu ertragen vermag, wennnicht besondere Vorsichtsmaßregeln angewendet werden. Der Auslän-der, der in bereits etwas vorgerückten Jahren in jene Gegendenversetzt wird und die Gewohnheiten seines wärmern Vaterlandes bei-behalten will, unterliegt gewöhnlich nur zu bald der Strenge desKlimas. In Parm z. B., einer Stadt, die doch noch südlicher alsPetersburg liegt, erzählte mir ein junger, seit sechs Jahren dort an-gesiedelter Deutscher, sey von den Landsleuten, die er bei seiner An-kunft daselbst angetroffen habe, kein einziger mehr übrig. „Ich habe,"sagte er, „in diesen sechs Jahren über zwanzig deutsche Familienväterzu Grabe getragen und mich würde der Tod wahrscheinlich auch schonlängst ereilt haben, wenn ich nicht schon in meinem 23. Jahre, alsoin einem Alter angekommen wäre, wo der Körper noch nachgibt und,sich den neuen Einflüssen zu fügen, noch weich genug ist. Die Russenwissen dies sehr wohl," fügte er hinzu, „und sie sehen jeden Aus-länder, der z. B. in seinem 40. Jahre zu ihnen kommt, als dengewissen Candidaten eines frühen Todeö an. Die Väter sterben sovor der Zeit alle weg, aber ihre Kinder gedeihen im Allgemeinensehr gut." Dieser schnelle und oft vorkommende Wechsel der heißenStube mit der äußern kalten Lust, erzeugt eine Krankheit, die jenennördlichen Klimate» eigenthümlich und um so gefährlicher ist, da sieaugenblickliche Hilfe fordert, wenn sie nicht mit schnellem Tode oderlangwierigem Siechthum endigen soll. Der gesundeste und stärksteMann wird, wenn er einen Fuß aus der Stube setzt, oder wenn aufeinen Augenblick die Thüre oder das Fenster geöffnet wird, oft plötz-lich von einem Unbehagen befallen, welches sogleich den ganzen Or-ganismus angreift, und wie ein Alp aus den Erkrankten lastet. DieKälte hat die Transpiration der Haut plötzlich und völlig unterdrückt.Eine große Mattigkeit der Glieder, ein Gefühl in den Extremitäten,als ob sie abfallen wollten, ein stechender Kopfschmerz und Augen-brennen sind die ersten Anzeichen der Krankheit, worauf, wenn nicht