Band 
Erster Band.
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Der schwarze Tod.

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fläche der Erde verwüstete, den zehnten, in manchen Gegenden sogarden dritten Theil der Menschen hinwegraffte, Schrecken und Entsetzenin allen Reichen verbreitete, und die ganze Erde zu einem weitenGrabe machte. Diese schreckliche Krankheit, mit deren grausenvollenVerwüstung kein anderes Unliick verglichen werden kann, was, so weitunsere Geschichte reicht, die Menschen traf, ist sonderbar genug so sehrunter uns vergessen worden, daß die meisten Aerzte, welche ich darumbefragte, kaum von ihrer ehemaligen Existenz wußten, und daß manselbst in sehr bändereichen und umständlichen Geschichtbüchern derneuern Zeiten auch nur eine leise Erwähnung derselben vergebenssucht, während andere ähnliche, obschon mit dieser gar nicht zu ver-gleichende Erscheinungen, die Völkerwanderung, die Kreuzzüge u. d. gl.mit der redseligsten Weitläufigkeit beschrieben werden.

Eine so schreckliche Epoche verdient daher, wenn auch der imEingänge erwähnte wohlthätige Zweck dadurch nicht erreicht werdensollte, schon ihrer eigenen Merkwürdigkeit wegen, daß wir sie wiederin das Gedächtniß zurückrufen, und uns auf einen Augenblick in jeneZeiten versetzen, wo eine allgemeine Trauer die Erde bedeckte, undSchrecken und Verzweiflung in den Herzen unserer Vorältern wüthete.

Die erste Nachricht, welche ich von dieser schrecklichsten allerKrankheiten, welche je das menschliche Geschlecht traf, erhielt, schöpfteich während meines Aufenthaltes in Rußland aus einem in der Sprachedieses Landes geschriebenen Werke, und ich bekenne, daß ich die schau-dervollen Geschichten, welche dieses Werk enthielten, für erfunden oderdoch für sehr übertriebe» hielt, wenn auch nur aus dem Grunde,weil ich früher, und auch nach dieser Lektüre durch Nachforschungenbei den berühmten Aerzten jenes Landes nicht die geringste dahin ge-hörige Nachricht oder Aufklärung darüber erhalten konnte. Erst nachmeiner Zurückkunst fand ich in Sprengels bekannten Beiträgen zurGeschichte der Medizin, und in Lgriies Ilistorp ok III. die

nur zu gewisse Bestätigung jener beinahe unglaublichen Gräuel, vonwelchen die Chroniken dieser unglücksschwangetn Zeit wiederhallen.

Jedermann kennt die wahrhaft klastische Beschreibung der pest-artigenKrankheit, welche in dem siebenundzwanzigjährigen peloponnesischenKriege den Fall Athens nach sich zog, und schon im zweiten Jahredesselben den größten Staatsmann der alten Zeiten, Pcrikles, in ihrenStrom mit fortzog. Thucydides, der erste Geschichtschreiber diesesgebildeten Volkes und vielleicht aller darauf folgenden Nationen, ent-warf mit seiner kraftvollen, majestätischen Beredsamkeit ein schauder-

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