172 Witterung des Cholera-Jahres 1831.
die nicht durch Kriege oder Krankheiten, oder weitverbreitete Über-schwemmungen und dergleichen Erscheinungen ausgezeichnet wären, undda es der Kometen wieder so viele gibt, daß manche Jahre zwei,drei und mehrere derselben uns mit ihren Besuchen zu beehren pflegen.Jahrhunderte durch glaubte man an die böse Vorbedeutung dieserHimmelskörper, und man würde noch an sie glauben, wenn wir nichtwüßten, daß die Erscheinungen derselben, wie die einer Finsterniß,sich auf viele Jahre von den Astronomen voraus berechnen lassen,während, so viel mir bekannt ist, bisher weder ein Arzt noch einPolitiker eö gewagt hat, die Krankheiten und Kriege mit ihren Folgenund Wechsclfällen der Rechnung zu unterwerfen, daher wir denn auch,wenigstens einstweilen, diese beiden Gegenstände nicht mehr als imZusammenhange stehend, sondern als Dinge von ganz verschiedenerNatur ansehen, von denen die einen bestimmten Regeln, und die an-dern dem sogenannten Zufalle, oder wenn man lieber will, von denendie einen bekannten, die andern aber, uns bisher noch ganz unbe-kannten Gesetzen unterworfen sind.
Ich zweifle nicht, daß die vorzüglichsten Ursachen solcher Krank-heiten, die über eine weite Strecke unserer Erde verbreitet sind, indieser Erde selbst, und in der sie umgebenden Atmosphäre zu suchensind, aber ich zweifle demnngeachtet noch gar sehr, daß wir, ja daßselbst unsere späteren Nachfolger sie daselbst sobald finden werden.Diese Ursachen liegen tiefer, als man gewöhnlich glaubt; sie sind mitandern so sehr verwickelt, daß sie nicht leicht getrennt, und besondersbetrachtet werden können, und sie sind endlich gewöhnlich so sein, undin so geringer Anzahl vorhanden, daß unsere größtentheils noch sehrunvollkommenen meteorologischen Instrumente kaum ihr Daseyn zu ent-decken, und noch viel weniger ihre Größe zu. bestimmen im Standesind. Die feinsten und empfindlichsten aller Instrumente sind ohneZweifel unsere eigenen Nerven. Diese fühlen daher jene äußern Ein-drücke oft schon bis zu ihrer eigenen Zerstörung, während unserephysischen Instrumente noch gar nichts anzeigen, aber fühlen sie mei-stens zu spät und auf eine Weise, wo sich nicht viel beobachten undgar nichts rechnen läßt. So hat man bei der gegenwärtigen Epidemieanfangs einen großen Werth auf die Untersuchung des Gehalts deSSauerstoffs in unserer atmosphärischen Luft gesetzt, weil manche ärzt-liche Beobachtungen auf eine Verminderung dieses Stoffes in demmenschlichen Blute hinzudeuten schienen, daher man sogar die Heil-methode selbst an verschiedenen Orten auf diese Erfahrung gründen