Knebel's Nachlaß.
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vorig. Sodann äußerte er: die Kraft, die in uns denke, könne un-möglich mit dem Körper untergehen, sondern werde sicher in demgroßen Haushalte der Natur irgendwo wieder verwendet, und zuhöherer Reife ausgebildet werden, aber wo, wie und in welcher Form,daö sey nicht zu ergrübeln. — Diese Aeußerungen Knebels sindum so merkwürdiger, je mehr sie von der Skepsis seiner früherenJahre, die er oft sehr prägnant auszudrücken wußte, abwichen.
Wir wenden uns nun zu einigen besonderen Nachrichten, welchein diese Biographie miteingeflochten wurden, und von denen vielleichtmehrere unsern Lesern nicht bekannt sind. — Der Eintritt in daspreußische Militär zu Potsdam kam unserm Knebel wie der Eintrittin ein Kloster vor, so trüb und gedämpft soll der Anstrich desselbengewesen seyn. Obschon der König mit seinem hohen geistigen, aberauch oft tief einschneidenden Wesen ein Gefühl der Selbstwürde beiden Offizieren weckte, so mischte sich doch in dieses Gefühl auch dasder Furcht und der willenlosen Abhängigkeit, die keine rechte Freudigkeitdeö Lebens auskommen ließ, und an jeder selbstständigen Thatkraft verza-gen machte. Es war kein Band vorhanden, das den strengen Me-chanismus der Disciplin aus eine menschliche Weise gelindert und miteiniger Seele durchwärmt hätte. Aus dieser Quelle stoß auch viel-leicht die sonderbare Erscheinung, daß bei diesem Potsdamer Militärstatt der sonst üblichen Renommistik des Porte-epoe, Religiositätund sogar aScetische Uebungen zur Tagesordnung gehörten. Statt demfrüheren „aus Ehre" wurde nur „auf Tugend" geschworen, und aufder Parade unterhielt man sich über die letzte Predigt; auf den Tischender Wachtstuben lagen nur moralische Schriften, und die Offiziereschrieben Sonntags in der Kirche die Predigt nach, um sie den ausder Wache Zurückgebliebenen Nachmittags vorlesen zu könne».
Damals, um das Jahr 1760 — 80, spukte auch der kleinlicheund spießbürgerliche Gelehrtenklnb in Berlin, an dessen Spitze sich,mit Recht oder Unrecht, Ramler selbst gestellt hatte. Dieser geber-dete sich wie eine Art Jupiter auf dem litcrarischen Olymp, und woihm ein fremdes deutsches Gesicht vorkam, nahm er seine große Gar-tenscheere, und stutzte es regelrecht und unbarmherzig zu. In dieserWeise hat er sich z. B. an den Gedichten des braven Johann Ni-klas Götze, der als Pfarrer in Winterburg lebte, schwer versündigt.Wenn Ramler nach Potsdam herüberkam, donnerte er den großenKönig mit seinen hohlen, patriotischen Oden an, und kehrte dann wieim Triumphe nach Berlin zurück, um an der Kadettenschule mit