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Erster Band.
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Knebel's Nachlaß.

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ich finde mich noch überglücklich, daß mir gegönnt ist, einen Mann,wie Cicero, noch in seinem 19l5ten Jahre deutsche Briefe schreibenzu lehren." — Als er, einige Jahre früher, Knebel'n seine letztenpoetischen Arbeiten zuschickte, begleitete er sie mit den Worten: „Essind späte Blümchen, die sich an einem warmen Novembertage schüch-tern hervorragen, und die eben dadurch, der matten Farben und desschwachen Geruches ungeachtet, doch eine Art von Anmuthung erregen,jener ähnlich, die man für schwächliche, aber demungeachtet lebensfrohe,freundlich lächelnde Kinder zu hegen pflegt." — Herder's Odenund übrige Gedichte, welche seine Witwe herausgeben wollte, scheinenihm nur flüchtig, aber doch mit Genialität entworfen, und wohl man-cher Verbesserung, selbst Umarbeitung bedürfend. Da er aber dazukeine Zeit finden könne, so mögen sie auch so ihr Glück versuchen.Wenn ich bedenke, sagt er, daß im Grunde alles, waS von Herderkömmt, auch das Unvollendctste und Flüchtigste, Funken und Strahlenseines Geistes, deffengleichen vielleicht in tausend Jahren nicht wiederkömmt, von sich wirft, so sehe ich nicht, warum man Bedenken tragensollte, auch diese Dinge so, wie sie sind, aufzunehmen. — Viele sei-ner letzten Briefe muß er mit einer Entschuldigung beginnen, daß erso lange nicht geschrieben habe. Auch muß ich schon gestehen, sagt erendlich, daß ich zum Briefschreiben, selbst an die Freunde immer ver-drossener werde. Ich möchte sie lieber selbst von Angesicht zu Ange-sicht sehen, lieber ihre lebendigen Worte, den unmittelbaren Abdruckihrer Gedanken in meinem Ohre hören, und auch ihnen auf dieselbeWeise die meinigen mittheilen können, als bloß durch Zeichen vonZeichen mit ihnen zu reden, welche, da sie von einer erloschenen Ima-gination kein Leben mehr erhalten können, den Namen todter Buch-stabe nur gar zu sehr verdienen.

In Herder's Briefen herrscht Schwermuth und Unzufriedenheitmit der Welt sowohl, als auch mit sich selbst überall vor. Dergute Mann ist hypochondrisch, ist auch wohl wirklich krank, und wenner ja einmal gesund ist, sind wieder seine Frau oder seine Kinderkrank. DaS rauhe Klima behagt seiner Constitution nicht, und zuallen Jahreszeiten plagt ihn die püuils molesla. Er möchte lieber,statt ewig so an seinem Körper geplagt zu seyn, gar keinen Körperhaben, und wie Anakreon's Cycade leben:

— Ohne Fleisch und Blut und Schmerzen,

fast den sel'gen Göttern ähnlich.