Knebel's Nachlaß.
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nicht Wärme gewinne. Nehmen Sie sich etwas Bestimmtes zu thunvor, dieß ist der einzige Weg zur Rettung. Gleichviel, waS cö sey,aber der Mensch muß sein Tagwerk haben, sein inneres Wesen ist zuweit und zu unbestimmt zum Kreise seines äußern Daseyns. Wennmein böser Geist kömmt, so eile ich, wie ein verschmachtender Hirschzur Quelle, zu irgend einer Arbeit, um mich wieder von meinemBegleiter frei zu machen."
Als er in Rom unter Statuen und Gemälden wandelt, drückter vielleicht dieselbe Idee, nur auf eine andere und mit sich selbstzufriedenere Weise aus: „Am Ende wird doch das Beste, was manüberall sieht und allenthalben davon zurückbringt, wir selbst seyn.Gleichviel, ob man wie St. Bartholomäus in Angelo'S jüngstemGericht seine geschundene Haut, oder wie die mediceische Venus denschönen H. . . . vorweist. Allenfalls ist eS gut, sich auf Beideö gefaßtzu machen, und das Beste in sich selbst zu verwahren."
Aus derselben Quelle, aus der sein Mißmuth folgt, entspringtwohl auch daS harte, oft ungerechte und lieblose Urtheil, das er überAndere fällt. Von Engel's Mimik sagt er: „Sie ist ein tönenderSchellenklang ohne Herz, Geist und Absicht; er kennt keine Geberden-sprache, als die seiner Berliner Schauspieler, und am Ende keinenandern Zweck, als für das schöne Publikum zu schreiben, das er mitseinen klingenden Sylben in den Schlaf wiegen will." — Von Eber-hard's vermischten philosophischen Schriften sagt er: „Die eigentlichePhilosophie in diesen Schriften riecht wie alter Käse, und das klebrigeist in demselben Geschmack." — Selbst Lessing'S Laokoon kömmtnicht ungehudelt durch. „Die vermehrte Ausgabe von diesem Werke,"sagt er, „enthält nichts als vertrocknete Brotkrumen aus Lessing'STasche." — Nicht besser macht er eö mit seinen eigenen Schriften,wenn er, aus Mangel eines andern, seinen Stachel gegen sich selbstkehren muß. Seine Ideen zur Geschichte der Philosophie der Mensch-heit werden allgemein für eines seiner ersten Werke gehalten, und erselbst war derselben Meinung, wie man aus vielen seiner Aeußerun-gen weiß. WaS nun auch der eigentliche Werth dieses Buches seynmag, so viel wenigstens scheint unbestritten, daß der Verfasser des-selben alles gethan hat, um eö äußerlich, durch Diction und Vor-trug, auf daS Beste auszustatten. Noch nie ist wohl in irgend einemphilosophischen Werke so viel Kunst der Rede auf so wenig innernStoff verwendet worden, so daß man dasselbe mit mehr Recht zuden dichterischen, als zu den philosophischen Werken zählen könnte.