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Erster Band.
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Knebel's Nachlaß.

nicht. Siebzig volle Sonnensahre an sich bessern und meistern undphilosophiren, um am Ende ohne Halt und Boden, einer in der Lustschwebenden Feder gleich, von jedem Hauche hin und her getriebenzu werden — das ist ein trauriges Loos! Wenn Eure gerühmte Weis-heit Euch nichts Besseres gibt, so mögt Ihr sie immerhin für Euchselbst behalten. Wir übrigen wollen dafür mit Proper; beten:

«Du, gesunder Menschenverstand, wofern, wie ich glaube,

„Du eine Gottheit bist, weih' ich mich gänzlich nur dir."

Damit hängen denn auch wohl die weiter unten in diesem Tage-buche so oft wiederkommenden Bemerkungen über das Leben im höher»Alter zusammen.' „DaS Schlimmste im Alter," schreibt er am 29.April 1820, im sechs und siebzigsten Jahre seines Lebens, „daSSchlimmste im Alter ist der Mißmuth. Durch den Mangel an Ver-trauen zu sich selbst wird man auch mißtrauisch gegen Andere. Diesstört die Freundschaft und löst die Bande des Lebens. Alle ander»Mangel und Fehler, selbst der Geiz, entstehen daraus. Man hatdas Vertrauen auf die Welt und auf daS Schicksal verloren. Manchewenden sich dann zum Aberglauben, und gräuliche Geschichten habensich schon in dieser Rücksicht bei Großen und Mächtigen kund gethan."Später heißt es dann: „Wir sind alle Mißgeschöpfe. Ach den Men-schen befallen zuweilen so kleinliche Gedanken und erregen ihm Miß-muth gegen sich selbst. — Jetzt, in meinem achtzigsten Jahre, seheich, alles kömmt darauf an, daß der Mensch mit sich selbst Eins,daß er Herr seiner selbst werde. Beherrsche dich selbst! Das ist leichtgesagt, aber beinahe unmöglich, eS auszuführen."

Billig möchte man nun fragen, wozu solche Selbstgeständniffe,wie die oben auS dem Tagebuche angeführten, dem Publikum mitge-theilt werden? Es mag allerdings seinen Nutzen haben, auch dieSchwächen der wahrhaft großen Menschen kennen zu lernen, denndies richtet die andern auf und gereicht ihnen zum Troste. AberSchwächen dieser Art sind für Niemand weder tröstend, noch erhebend.Dazu sind sie von dem Verfasser selbst nicht zur Publikation bestimmtworden, und wenn eS schon nicht gutgeheißen wird, Gespräche untervier Augen öffentlich zu machen, und waS bloß Einem oder Wenigenunter dem Siegel der Freunvschaft anvertraut worden ist, auS derSchule zu schwätzen, wie viel mehr muß dies von solchen Selbst-gesprächen gelten, die Niemand, nicht einmal dem vertrautestenFreunde mitgetheilt, am wenigsten zur öffentlichen Bekanntmachung