Brewster, über natürliche Magie. 461
oder das von der schwachen Glut eines fast erlöschenden Feuers be-leuchtet ist. Aus diesen Erfahrungen lasten sich vielleicht die meistensogenannten Geistererscheinungen erklären. Diese Gespenster sind stetsweißlich, weil diese Farbe am besten im Dunkeln gesehen wird, undsie sind meist solche leblose Gegenstände, welche mehr Licht zurückwer-fen, als andere sie umgebende. Hat der Gegenstand einzelne hellereTheile, so werden die dunklern von Zeit zu Zeit verschwinden undwieder erscheinen, wie ist dem obigen Experimente, und der Gegen-stand wird belebt und in Bewegung erscheinen. An Täuschung dcSAugeS will Niemand glauben, und doch betrügt es uns nur zu oft.„Ich glaube nichts, als was ich sehe," hört man die Leute öftersagen, und sie meinen Wunder wie sicher sie bei dieser Maxime gehen.
Dazu kömmt noch der merkwürdige Umstand, daß die feinenNervenfasern der Sehhaut die Eigenschaft besitzen, daß sie durch einenäußern Druck phosphorisch werden. Drückt man den Augapfeldurch den zwischen ihn und die Nase gelegten Finger, so sieht maneinen Lichtkreis, der an Lebhaftigkeit der Farben öfter dem Pfanen-schweife gleichkömmt. Diese Erscheinung läßt sich auch in einem ganzfinstern Zimmer hervorbringen (man sehe Purkinse, Beiträge zurKenntniß des Sehens, Prag 1823, und dessen neue Beiträge, Ber-lin 1825). So fahren bekanntlich bei einem plötzlichen Stoß desAuges förmliche Blitze aus demselben. Dasselbe bemerkt man öftersbeim Niesen und Schneuzen, oder wenn man den Augapfel durchWirkung seiner eigenen Muskeln stark seitwärts wendet u. s. BeiKrankheiten, vorzüglich des Magens, treten alle diese Phänomenenoch stärker hervor, und solche Kranke sehen oft bei völliger Dunkel-heit ein schwaches blaues Licht, ohne allen äußern Druck auf ihreAugen, wahrscheinlich weil die Blutgefäße einen solchen Druck auf dieNetzhaut verursachen. Dieses blaue Licht nimmt öfter an Intensitätzu, wird grün und selbst roth. Die lebhafte Einbildungskraft derSiechen schafft dann aus diesen Erscheinungen verschiedene Gestalten,die oft phantastisch genug sind, und wieder aus den Verstand selbstzurückwirken.
Hierher gehören auch die Phänomene der sogenannten komplemen-tären Farben. Wenn man eine aus rothem Papier ausgeschnitteneFigur auf eine weiße Tafel legt, und sie eine Weile, doch unver-wandten Blickes, ansieht, so wird man bald seitwärts von der Figurdieselbe, aber in grüner Farbe, erblicken, da roth und grün die kom-plementären Farben sind, so wie violett und gelb, orange und blau,
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