468 Brewster, über natürliche Magie.
zaubertes Schloß vor sich zu erblicken. Er wollte an diesem Tage,da er nahe an Grönland war, die Küste desselben aufnehmen, aberals er sie mit einem Fernrohre betrachtete, sah er die Gegenstände derselbensich immerwährend ändern. Ich glaubte, sagte er, eine alte Stadtvon großem Umfange vor mir zu sehen, mit vielen Ruinen von Pal-lästen, Kirchen und andern Gebäuden, Säulen, Pyramiden u. dgl.Hinter ihnen erhoben sich große Felsmassen, oft ohne Basis, in derLust über jenen Trümmern schwebend. Derselbe Gegenstand änderteseine Gestalt in jeder Minute. Jetzt sah er ein Schloß, dann aufderselben Stelle eine Kirche, einen Obelisk, dann eine Brücke, die sichhorizontal immer länger zog, und dabei alles so deutlich, daß man sichdes Gedankens kaum erwehren konnte, diese Dinge alle in der Thatvor sich zu sehen. — Andere ähnliche, nicht minder wundersame Er-scheinungen wurden von Humboldt in Südamerika, von Turin undSoret am Genfersee, von Hughes am Aetna u. a. beobachtet.
Die sonst schon bekannte Erklärung dieser Phänomene gibt B.hier auf eine sehr einfache Weise. Wenn man zwischen das Auge undeinen Gegenstand, z. B. eine Blume, eine gläserne, mit Wasser ge-füllte Wanne stellt, und ein glühendes Eisen über der Oberfläche desWassers halten läßt, so sieht man über der wahren Blume, durch dieWanne zwei Bilder derselben, von welchen das eine die Blume ver-kehrt, und daS andere, obere Bild aufrecht vorstellt. Die Ursache istin der Erwärmung des WafferS von dem glühenden Eisen, welche Erwär-mung von der Oberfläche des Wassers bis zu seinem Boden immer zu-nimmt, so daß die Dichtigkeit des Wassers, durch diese Wärme vomBoden aufwärts immer geringer, und also auch die Strahlenbrechungdurch das Wasser, in jedem Punkte desselben, eine andere ist. Der-selbe Versuch gelingt besser noch, wenn Ocl statt Wasser angewendetwird, und selbst ohne äußere Erwärmung anzuwenden, wird man dieseErscheinung hervorbringen können, wenn man die Glaswanne bis aufihren dritten Theil mit klarem Syrup füllt, und dann den übrigenRaum mit Wasser auSgießt. Der Syrup verbindet sich nämlich nachund nach mit dem Wasser, und bildet eine stufenweise regelmäßig ge-änderte Dichte, die von der deö Syrups bis zu der des reinen Was-sers abnimmt. Die Anwendung auf mit Nebelmassen gefüllte Schichtenunserer Atmosphäre bietet sich von selbst dar. Jene früher erwähntenErscheinungen, wie das Brockengespenst u. dgl., sind aber offenbarAbspiegelungen der diese Phänomene sehenden Personen auf ihnengegenüberstehenden Wolken, die zufällig sehr glatt sind, und entweder