Ritter's Geschichte der Philosophie.
2l
Schluß des zweiten Theiles unseres Werkes bilden. Er wurde gegen430 v. Chr. zu Athen geboren. Ueber sein Leben ist nur wenigbekannt, desto vollständiger sind seine Schriften auf uns gekommen.Er widmete sich anfangs der Dichtkunst, aber SokrateS, den er inseinem zwanzigsten Jahre kennen lernte, gewann ihn für die Philo-sophie. Den Umgang seines großen Lehrers genoß er nur zehn Jahre,da derselbe schon in Plato'S dreißigstem Jahre starb. Nach dessenTode unternahm er große Reisen nach Cyrene, Aegypten, Phönizicn,Unteritalien und Sicilien, wo er mit dem Tyrannen Dionysiusund mit Dion Umgang pflegte. Die Briefe zwischen diesen Dreien,die wir noch besitzen, werden allgemein als unächt anerkannt. Erstarb zu Athen i. I. 349 vor Chr. G., im ein und achtzigsten Jahreseines Alters. Allgemein wurde von seinen Zeitgenossen die Reinheitseiner Sitten anerkannt. Gegen die mit ihm lebenden Philosophen,Antistheneö u. a., soll ex sich oft unfreundliche Bitterkeit und über-müthigen Stolz erlaubt haben. In seinem Aeußcren und in seinemVortrage war eine gewisse Vornehmheit auffallend, die sogar auchendlich auf seine Schule überging. In seinen Schriften bewundernwir vorzüglich zwei Dinge: den Reichthum seiner Ideen, gegen dieder aller seiner Vorgänger nur als eine spärliche Armuth erscheint,und eine hohe Kunst der Rede und des Vortrags, ein glänzender,blendender und doch gehaltreicher Styl, wie wir ihn bei keinem an-deren griechischen Schriftsteller finden. Seine Werke selbst sind übri-gens nicht als rein philosophische, wie z. B. die des Aristoteles,zu betrachten, sondern mehr als Kunstwerke, in welchen die Darstel-lung nur zu oft die Hauptsache ist. Die Gesprächsform, welche ervorzugsweise wählte, und die er wahrscheinlich von SokrateS sichangeeignet hatte, trug sehr dazu bei, dieser Darstellung den Inhaltzu opfern, und unter der dramatischen Anlage die eigentliche Philo-sophie leiden zu lassen. Von wenigen Schriftstellern des Alterthumssind so viele, beinahe sämmtliche, Schriften auf uns gekommen, alsvon ihm, waö offenbar von der hohen Verehrung zeigt, die seineZeitgenossen und Nachfolger für ihn hegten. Unser Vers. gibt sichviel Mühe, unter den auf uns gekommenen Gesprächen Plato'Sdiejenigen auözusinden, welche ihm als unächt erscheinen. Er gehtdann die ganze Philosophie Plato'S durch, indem er drei Theile der-selben annimmt, die Logik oder Dialektik, die Physik und die Ethik.
Die Dialektik ist ihm die Lehre vom Denken und vom Seyn,Und Plato sucht darin vorzüglich die Lehren deö Heraklit und des