Band 
Dritter Band.
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Ritter'S Geschichte der Philosophie.

worin wir die Stoiker finden, suchten Ruhm und Beruhigung zugleichin zurückgezogener Entsagung; die zweite, die Skeptiker, worunterbesonders Pyrrhon und Epikur, dienten dem damals allgemeinenHange zum Vergnügen. Mit den letzten, als den zeitgemäßeren,vereinigten sich die Komödienschreiber, die sich der größten Ausgelassen-heit Hingaben, und die Hetären, die durch Witz und Bildung ihreLiebhaber zu fesseln suchten. Bildung war in den höheren Ständenan der Tagesordnung, und auch diese Hetären konnten sich derselbennicht entziehen, wenn sie auf die Gesellschaft der Vornehmen wirkenwollten.

Pyrrhon war der ausgezeichnetste Mann unter den Skeptikern.Von armen Eltern geboren, anfangs der Malerei hingegeben, zog erspäter mit Alexander nach Indien, und schlug, nach seiner Rückkunftseine philosophische Schule zu EliS auf. Er trieb die bekannte sokra-tische Behauptung, daß wir von vielen Dingen nichts zu wissen brau-chen, auf die Spitze, daß wir von allen Dingen nichts Bestimmteswissen. Seine Schriften sind nicht auf uns gekommen. Er und seinNachfolger Timon aus PhiluS behaupteten, daß alle Dinge ungewißsind; daß weder die Sinne, noch der Verstand uns etwas Wahresüber diese Dinge lehren; daß man von keinem derselben sagen könne,eS sey mehr daö Eine als das Andere, und daß sich von jedem Satzeohne Weiteres auch daö Gegentheil behaupten lasse. Nach ihnen istnichts an sich schön oder häßlich, gut oder schlecht, sondern alles werdenur von den Menschen nach Satzung und Gewohnheit beurtheilt. DieMenschen erhalten die äußeren Eindrücke nicht alle auf dieselbe Weise,und selbst bei demselben Menschen stellen sich die Gegenstände anders

dar, wenn die Beschaffenheit des Körpers oder der Seele, oder wenndie Verhältnisse der Gegenstände zu uns sich ändern, so daß dieseGegenstände selbst nie rein für sich selbst aufgefaßt werden können,daß alles nur in Verhältnissen zu uns oder andern erscheine, und daßwir endlich aus dieser Erscheinung eines Dinges nie auf das schließenkönnen, was dieses Ding an sich selbst ist. Daher ziemt unö Zurück-haltung alles Urtheils und gänzliche Enthaltung von jeder Behaup-tung («goo-or«). Zu diesem Zwecke hatten sie eine Menge Redens-arten erfunden, und ihre Sprache gleichsam umgebildet. Wenn siesagten: Ich bestimme nichts, so setzten sie hinzu: Auch nicht

das, daß ich nichts bestimme. Wenn sie behaupteten: JedemGrunde, jedem Satze steht ein anderer entgegen, so fügtensie bei: wie eS scheint u. s. w. Aus diesem Enthalten aller Be-