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genommen. Tugend an sich ist kein Gut, sondern nur wenn sie unsLust bereitet; aber Tugend ist doch von wahrer Lust unzertrennlich,und es gibt keine Lust ohne Tugend, sowie keine Tugend ohne Lust. Ohnedie Lust des Fleisches zu verwerfen, hielt er doch die Lust des Geistes fürdie höchste, indem er jene für vergänglich, diese aber für dauernd, jenenur für die Gegenwart, diese aber für alle Folgezeit bestimmt hielt. Diesewahre Lust des Geistes aber war ihm die unerschütterliche Ruhe des Ge-müths. Er verlangt nicht, daß der Weise alle Lust entbehren soll,aber er soll sie entbehren können; daß er sich auch mit Wenigem be-gnüge, und den Reichthum nicht im großem Vermögen, sondern inder Beschränkung seiner Begierden suche. Als Summe seiner Lehrewird bezeichnet, daß der Weise die Gegenwart klug benutzen und sichfreuen soll, sowohl in der Erinnerung genossener Lust, als auch inder Erwartung der künftigen, und daß er sich eben dadurch erhabenfühlen soll, über die übrigen thörichten Menschen.
Seine Physik ist sehr unvollkommen, und zeigt nur, daß er nichtsdavon wußte, und auch wohl nichts wissen wollte, indem er über diewichtigsten Erscheinungen der. Natur mit beinahe liederlicher Nach-läßigkeit abspricht. Die Größe der Sonne, sagt er, ist die, wie sieUNS erscheint: man kann eigentlich nichts Genaues darüber sagen, nurso viel ist gewiß, daß sie nicht viel größer oder kleiner ist, als sieuns erscheint, wie es sich auch mit den Feuern zeigt, die wir in derFerne erblicken. Ob der Auf- und Untergang der Sonne und desMondes von einer Bewegung dieser Gestirne um uns, oder von einerBewegung der Erde um sich selbst komme, oder ob, nach einigenälteren Physikern, diese Körper täglich erlöschen und dann sich wiedererneuern, sey eine ganz gleichgültige Sache, die er der freien Wahleines Jeden überlasse, und ganz eben so gleichviel sey cS auch zuglauben, daß der Mond sein Licht von der Sonne borge, oder daß
er sein eigenes Licht habe u. dgl. Nicht viel besser geht rS mit
seiner Lehre von der Entstehung der Erde und der auf ihr lebendenWesen. Die Seele endlich ist ihm etwas Körperliches, aus dem
Grunde, weil »»körperlich nur das Leere ist, dem weder Leiden noch
Thun zukömmt, was bei der Seele nicht der Fall ist. Da aber dieSeele den ganzen Körper belebt, so muß sie, nach ihm, auch durchden ganzen Körper verbreitet seyn, und da sie unsichtbar ist, und soviele Veränderungen erleidet, so muß sie ein sehr dünner und sehrleicht beweglicher Körper seyn, etwa ein Hauch, der mit einer ge-wissen Mischung des Warmen versetzt ist. — Man sieht, daß hier