Band 
Dritter Band.
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Ritter'S Geschichte der Philosophie.

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der zuerst einen ganz falschen Geschmack der Schreibart einführte, derbloß auf äußern Prunk, auf brilliante Gegensätze sieht, und vonSchwulst und Ueberladung jeder Art voll ist. Um die Erweiterung,auch nur um die eigene Selbsterkennung der Wissenschaft, war eS ihmnicht zu thun, sondern bloß um eine populäre, dem großen Haufengefällige Darstellung derselben, und um den eitlen Glanz, der voneiner solchen Darstellung auf ihn selbst reflectirt werden -möchte.Wenn er in seiner redseligen Geschwätzigkeit sich vergißt, erblickt manzuweilen in seinem Innern sogar eine gewisse Nichtachtung alleswissenschaftlichen Bestrebens. ?Ius seire volle, gusm ssti8 est, in-tempersnliss genus est. — ?suei8 opus est aä m> ntem donsm Ilte-ris. — 8ecl nos, ut cgetern in «upervscuum «liffancilmus, its plnlo-sopliism ipssm ete. Daß übrigens alle seine Declamationcn überethische Gegenstände nicht auö seiner Ueberzeugung hervorgehen, undnur als eben so viele Gedichte anzusehen sind, folgt schon aus denvielen Widersprüchen, in welche er sich verwickelt, indem er, je nachseiner Laune, dieselben Dinge, die er gestern als das Vortrefflichsteund Wissenswertheste dargestellt hat, heute alö überflüssig oder wohlgar als verächtlich behandelt.

Mit ihm ist Musonius Rufuö nahe verwandt, der ersteeigentliche Schulphilosoph, der von dem übrigen Treiben der Weltwenig weiß, während die frühern römischen Philosophen meistens be-rühmte Staatsmänner waren. Seine Schriften sind nicht auf unögekommen, und cS scheint nicht, daß wir diesen Verlust sehr zu be-dauern haben. Größer war sein Schüler Epictet, ein in Phrygiengeborner Sclave, der, nachdem er seine Freiheit erhalten hatte, zuRom unter Nero lebte, und als Domitian die Philosophen aus die-ser Stadt vertrieb, nach Epiruö wanderte, wo er öffentlichen Unter-richt ertheilte. Auch von ihm ist nichts Schriftliches auf unS gekom-men, und was wir von ihm wissen, verdanken wir dem Arrianus,seinem Schüler, der die Vortrüge seines Lehrers gesammelt, und unsauch die kräftigsten Aussprüche desselben unter dem Titel deS Hand-buchs des Epictet's erhalten hat. Seine Philosophie

ist größtenteils nur Sittenlehre, aber ausgezeichnet durch ihre Ein-fachheit, durch die Größe der Gesinnung und durch strenge Folgerich-tigkeit, daher sie auch so viele Freunde und Anhänger gefunden hat.Seine Ethik ging übrigens auf eine völlige Entsagung aller äußernGüter des Lebens, ja deS Lebens selbst aus, und schien daher denbetrübten Zeiten, in denen sie entstand, besonders angemessen. „Wenn