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Dritter Band.
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I. I. v. Littrow'S Biographie.

der Finanzen, meinte er oft scherzend, legte man besser in die Händeder Frauen, da das Geldzählen keinen üblen Einfluß auf sie übe.

Hatte er irgend Jemanden einmal lieb gewonnen, so verlor erfür diese Person und alles, was mit ihr in Verbindung stand, seinsonst so wichtiges Urtheil. So veranlaßte ihn die Zuneigung, welcheer zu seiner Schwiegertochter gefaßt hatte, zu der Aeußerung, daß erdie ungünstige Meinung nicht begreifen könne, welche im allgemeinengegen Stief- und Schwiegerverwandtschaften verbreitet sey. Schwieger-kinder bekomme man fertig, und könne sie nehmen, wie sie sind, wäh-rend man mit eigenen Kindern so viel durchzumachen habe, „bis dieBurschen fertig," daß immer von den überstandenen Leiden etwasdurchschmecke. Er für seinen Theil wolle gleich seine Söhne gegenSchwiegerkinder umtauschen, und wisse erst setzt, wo der eine gehci-rathet, wozu seine Jungen gut seyen.

Littrow'S Kurzsichtigkeit und noch mehr seine häufige Versunken-heit in Ideen, welche mit der Umgebung nichts gemein hatten, ver-ursachten, daß er oft alte Bekannten starr ansah, ohne sich zu besinnen,wen er vor sich habe, und hinwieder völlig fremde Leute für alteFreunde begrüßte. Zuweilen ließ er sich von seiner eigenen Frau,wenn sie ihm irgendwo zufällig begegnete, durch ein steifes Kompli-ment irre führen, und erkannte sie nicht. Bei einem Maler, dessenSchüler Littrow vor kurzem auch zu portraitiren versucht und setztneben seinem Patrone saß, zog Littrow eines Tages zum Zeitver-treibe während des langweiligen Sitzens gotteSsämmerlich gegen senen„Sudler" los, und ließ sich von dem Maler, dem mit dieser heil-samen Lehre für seinen Gehülfen sehr gedient war, zu immer nähererBezeichnung und satyrischerer Behandlung des Unglücklichen bewegen,ohne auch nur von weitem zu ahnen, daß daö betreffende Individuumvor ihm sitze.

Sein Hang zur Hypochondrie, dem sein Geist zu widerstehenund den er, vbschon vergebens, immer zu bekämpfen suchte, sprachsich vorzüglich in einer ängstlichen Vorstellung über die Bedeutung vonErkühlungen aus, vor denen er sich aus das sorgfältigste hütete. Jemehr Maaßregeln er aber dagegen ergriff, desto empfindlicher wurdesein Körper; besonders widmete er dem Kopfe eine immerwährendeAufmerksamkeit, indem er denselben durch Hut und Mützen gegen dengeringsten Temperaturwechsel, vor Zugluft, Wind oder dergleichen zubewahren bestrebt war. In dieser Rücksicht war ihm das Grüßenunerträglich, und eS konnte ihn aufbringen, wenn er in TranSspira-tion war, und ihn das Begegnen eines Bekannten zum Hutabnehmenzwang. Er zog denn auch bei seder Gelegenheit gegen senen „thö-richten" Gebrauch zu Felde, und äußerte oft im vertrauten Kreise, erwolle sa gern, wenn eS seyn müsse, seine H . ... ausziehe», wennman ihm nur dafür seinen Hut ließe.

Die Arbeit, wenn sie gleich eigentlich der Ursprung und Herdder eben berührten Uebel war, machte ihm seine Lebenömaschine ver-gessen, und es war dies ein Hauptgrund, warum er ohne sie nicht