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Darstellung der Handelsverhältnisse zwischen der Schweiz und Oesterreich in den Jahren 1840 und 1845 / bearbeitet von Dr. A. v. Gonzenbach
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a. Ob noch einige Schritte gegen auswärtige Staaten vorgenommen werden könnten undsollten, um Erleichterungen wenigstens in einigen Artikeln nachzusuchen, mit Rücksichtsowohl auf die Wichtigkeit der Gegenstände selbst als auf die Möglichkeit eines ent-sprechenden Erfolges."

b. Ob zu Verbesserung ihrer Lage die Eidgenossenschaft nicht durch wichtige Gründe be-trogen werden sollte, von ihrer bisherigen leidenden Stellung abzugehen, und was,nach ihrem kommerziellen Interesse, zu Wiederbelebung des inländischen Gewerbfleißes,hinsichtlich der Verhältnisse mit jenen Staaten, welche den schweizerischen Waaren ver-schlossen sind, rathsam und zuträglich vorzunehmen sein dürfte."

Welche Mittel aufgefunden und von Seiten der Tagsatzung den hohen Ständen em-pfohlen werden könnten, um durch Verbesserung des Landbau'ö und Bearbeitung eigenerErzeugnisse, die Schweiz auf einen von fremder Willkür weniger abhängigen Stand-punkt zu erheben."

Aus dieser Schlußnahme ist ersichtlich, daß man vor beiläufig 30 Jahren sich ungefährauf demselben Standpunkt befand, wie gegenwärtig; man weissagte im Schooße der Tagsatzungden nahen Untergang des schweizerischen Handels und der Industrie; und doch hat sich seither dieseIndustrie vielleicht mehr entwickelt als es für einen republikanischen Staat der eine möglichstgroße Zahl unabhängiger Bürger zählen sollte wünschbar ist.

Die Industrie hat in ihrem Gefolge eine schnelle Vermehrung der Bevölkerung; von demIrrthum aber, daß die Macht und die Wohlfahrt der Staaten im gleichen Verhältniß mikihrer Bevölkerung wachsen, ist man längst zurückgekommen. Die Schweiz mit einer Bevölkerungvon nur 2 Millionen Menschen die alle ihr reichliches Auskommen finden ist zuverlässigstärker, unabhängiger und glücklicher, als Staat betrachtet, als mit einer Bevölkerung, dieum beiläufig V» Million stärker, deren Unterhalt aber mit größern Schwierigkeiten verbunden ist.In Ackerbau treibenden Ländern bleibt die Bevölkerung in der Regel in einem richtigen Ver-hältniß zur Ertragsfähigkeit des Bodens; die Industrie aber weil sie in günstigen Zeiten fremdeLänder und Zonen sich tributär macht erzeugt mehr Menschen, als sie in ungünstigen Zeiten zuerhalten im Falle ist. Diese dem Staat zur Last fallende Uebervölkerung, welche die Industrie er-zeugt, verdiente mehr Aufmerksamkeit der Behörden als dieselben ihr bisher gewidmet haben; es istnamentlich die Frage einer ernsten Würdigung werth, ob nicht die Industrie auf die eine oderandere Weise angehalten werden sollte, einen Theil ihres Gewinnes in günstigen Zeiten alsReservefond unter Aufsicht des Staats für schlechte Zeiten bei Seite zu legen, auf daß diesemletztem nicht allein die Unterhaltung der starken Jndustriebevölkerung anheim falle, von welcherer in günstigen Zeiten keinerlei Gewinn zieht, denn selbst die Landesvertheidigung dürfte von denAckerbauern mit mehr Nachdruck und kräftiger geführt werden, als von den Industriellen.