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Darstellung der Handelsverhältnisse zwischen der Schweiz und Oesterreich in den Jahren 1840 und 1845 / bearbeitet von Dr. A. v. Gonzenbach
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Zollsystems die Absicht, dem Stand der Ackerbauer durch Schutzzölle auszuhelfen? Ich zweifle daran,zumal man es nicht einmal gewagt hat, die sogenannten nothwendigen Bedürfnisse, worunter nament-lich das Getreide gezählt wird, mit dem unbedeutenden eidgenössischen Gränzzoll zu belegen.

Dagegen würde man dem Bauer zumuthen alle Eisenwerkzeuge, die er bedarf, in Folge eines

Schutzzollsystems theurer im Inland zu kaufen, als er sie bisher vom Ausland bezog, um denschweizerischen Hüttenwerken aufzuhelfen und die Gründung von Metallfabriken zu fördern; man-

würde ihn zwingen die gemeinen Holzwaaren, die er bedarf, in Zukunft theurer zu bezahlen alsbisher, um diese Industrie in der Schweiz heimisch zu machen; er würde genöthigt sein Lederzeug,die Geschirre seiner Pferde, seine eigenen Schuhe theurer zu kaufen, um den schweizerischen Gerbe-reien aufzuhelfen und die inländischen Sattler und Schuhmacher zu unterstützen; den Stoff seiner Klei-der dürfte er nicht wohlfeil vom Ausland beziehen, sondern müßte ihn theurer in der Schweiz kaufen!!

Aber mehr noch; wollten nur einige Fabrikate mit einem Einfuhrzoll belegt werden, so

würde ein solches System die großen Kosten der Gränzbewachung gar nicht decken. Den größtenZollertrag liefern allerorts die Kolonialwaaren Zucker und Kaffee; im deutschen Zollverein betragendie Zölle auf Zucker und Kaffee beiläufig 45°/g der gesammten Zolleinnahme. In Oesterreichbeträgt der auf Natur- und landwirthschaftlichen Erzeugnissen erhobene Zoll 80°/» des Totalertrags,der Zoll auf Kolonialwaaren allein bildet beinahe Vz der Zolleinnahme von Natur- und landwirth-schaftlichen Erzeugnissen und über 45°/o des Total-Zollertrags. Der Zoll von Halbfabrikaten beträgtin Oesterreich nur 7, der von Rohstoffen 6 und der von Fabrikaten, Kunstgegenständen undEdelsteinen zusammengenommen 5,7 vom Hundert des Totalertrags. Der Totalertrag des Zollsfür sämmtliche Kolonialwaaren betrug im Jahre 1841:

in Oesterreich.. 6,355,740 Gl.

was bei einer Bevölkerung von 36,100,000 Seelen IOV 2 kr. per Kopf ergibt;

im Zollverein. 14,503,708 Gl.,

welche Summe, auf eine Bevölkerung von 27,390,000 Seelen vertheilt, 31 kr. per Kopf abwirft I.

Die Schweiz müßte, wenn sie ein sogenanntes Schutzzollsystem einführen wollte, daher auchdie Kolonialwaaren stark besteuern, um für die Ausführung ihres Schutzzollsystems die nöthigenGeldmittel zu gewinnen. Der schweizerische Bauer hätte daher in Zukunft auch Kaffee und Zuckerund wohl auch Tabak theurer zu bezahlen als bisher. Die Produkte seiner Arbeit aber würdenin keiner Weise geschützt! I

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Siehe Tegoboreky, Seite 19 und Seite 127.

2ch enthebe Bechers Beiträgen folgende Notiz über den Kaffeekonsum:

Kaffee.

Der Kaffeeverbrauch in Europa seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts wird angegeben:im Jahre 1750 Will. Pfd. in einer ungefähren Schätzung von v. Gütlich.

» 1811 ilZ nach Aler. v. Humboldt.

" » 181? iko nach Schedcls vollständigem allgemeinen Waarenlcrikon.

1825 igz ^ ^ ebendaselbst.

,, " 182'->/z2 222 nach Ferber und Culloch.