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Darstellung der Handelsverhältnisse zwischen der Schweiz und Oesterreich in den Jahren 1840 und 1845 / bearbeitet von Dr. A. v. Gonzenbach
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die der Staat unter unsern Augen und die Einzelne ausführen lassen, nicht auch für täglich sichmehrende Wohlhabenheit? Bauten sind meist ein sicherer Barometer des Erwerbs; wer nicht er-wirbt, sondern spärlich vom Ererbten lebt, baut in der Regel nicht. In den Städten Luzern, So-lothurn, Freyburg wird gegenwärtig nicht gebaut, in Bern wenig, weil an diesen Orten allen diefrühere Erwerbsquelle der fremde Dienst versiegt ist; weder ein Schloß, wie der Stein-hof in Luzern, noch ein Hötel, wie der Erlachcrhof in Bern, die beide im vorigen Jahrhundert ausim französischen Militärdienst erworbenen Geldern entstanden sind, werden im laufenden Jahrhundertvon Privaten gebaut werden; aber im Ganzen haben Regierungen und Privaten in den letztenzwei Dezennien viel gebanl und hierin, so wie in der Art und Weise, wie in neuerer Zeit gebautworden ist, erblicke ich ein unzweideutiges Zeichen zunehmenden Wohlstandes.

Man klagt in der Schweiz mit Recht vielfach über die Hemmungen, die unserm Handel auf demeuropäischen Kontinent allerorts entgegentreten, aber es ist anderseits doch auch nicht zu übersehen,daß durch Dampfschiffe und Eisenbahnen New-Aork heute ebenso nah von Zürich ist, als im fünf-zehnten Jahrhundert Lyon es war, und daß man dermalen sicherer seine Waaren nach Rio-Janeirobringt, als damals nach Frankfurt. Es ist ferner nicht zu übersehen, daß gerade durch diese Hem-mungen unser Handel zum Welthandel geworden ist, und daß in Folge dessen die Schweiz fetzt mitziemlicher Gleichgültigkeit auf die Veränderungen der Zolltarife in Frankreich, Deutschland oderItalien Hinblicken kann, während vormals jede Zollerhöbung in diesen Staaten sie ängstigte.

Durch die ungeheure Ausdehnung, welche der schweizerische Handel gewonnen, indem er sichvon Lisabon bis Kalkutta und von St. Petersburg bis Rio-Janeiro erstreckt, hat derselbe eine Un-abhängigkeit von dem Wechsel staatsökonomischer Ansichten und daraus hervorgehender Zollmaßregelngewonnen, die er früher nicht hatte.

Diese Betrachtungen alle lassen mich wünschen, daß man in der Schweiz wohl überlege, eheman diesen Zustand eines allgemein verbreiteten Wohlstandes, den uns das System des freienHandels gebracht hat, vertausche an ein Schutzzollsystem, das einzelne Fabrikanten vielleicht sehr reichmacht, das aber auf die Gesammtheit drückt und das jedenfalls, abgesehen von seinen moralischenNachtheilen, mit Plackereien und Beschränkungen der Freiheit verbunden ist, wie sie die freieSchweiz nie gekannt hat und auf die Dauer schwerlich ertragen wird.