Band 
Zweiter Theil.
Seite
124
JPEG-Download
 

124 -

XIII. Klasse. Seibenwaaren.

2) Fabrikate aus China-Seide; als Foularb, PongeeS und imilirter Korah -Stoff, sind iu der Klaffe XVIII. n,it beurtheilt worden, weil die Drucker zugleichFabrikanten sind.

K. 24.

Französische, Spanische und Portugiesische Seidenwaaren,Lammte, Plüsche und Seidenbänder.

I. Frankreich .

Daß an Frankreich für seine zur Ausstellung gelieferten Seiden-Fabrikatc der erste Rang zuerkannt werden muß, wird Niemand bestreikenwollen. Betrachten wir die Vielseitigkeit der Artikel, die Präzision, mitwelcher die Arbeit ausgeführt ist, die Harmonie der Farbcnstellung undferner das glückliche Talent für Erfindung schöner und mannigfaltigerDessins, welche fortwährend aus den Werkstätten LvonS hervorgehen,so dürfen wir es uns nicht verhehlen, dasi Frankreich noch für lange Zeitdie Mode beherrschen und als nachabmungSwürdigcö Vorbild dastehenwerde. Diese hervorragende Stellung gründet sich auf eine mehr alshundertjährige Erfahrung, welche dieses Land gegen andere Fabrikstaatenvoraus hat, auf die Ausdehnung deö eigenen Gebietes, sowie des umfassenden überseeischen Vertriebs, und dann auf die Hülfsmittel, welchedem Fabrikanten durch die große Anzahl geschickter und mit der Webereivertrauter Destillateure zu Gebote stehn. Hierzu kommt noch, daß auch ,namhafte Künstler sich überall mit Zeichnungen für die Industrie beschäf-tigen, welches auch, nach den von der Lyoncr Handels-Kammerund von Bert in Lyon ausgestellten älteren Webereien zu schließen,schon in früherer Zeit der Fall gewesen sein dürfte. Wir sehen dergleichenvorn Jahre 1570, 1650, 1680, 1690 und zwischen 1760—1780die Portraits von Ludwig XV. und Eatharina II. Unter den von derHandels-Kammer gelieferten Proben sind sowohl figürliche als Ornamenteund Bünnciiftücke, wobei augenscheinlich Künstler mitgewirkt haben.

ES ist interessant, in dieser Mustersammlung den in den vcrschiedenen Jahrhunderten herrschenden Geschmack vor uns zu sehen, undwenn derselbe auch freilich oft genug in das Unschöne und Ucbcrladeneausartet, so zeigt sich koch die Kunstfertigkeit der Weber, welche dieseGegenstände arbeiteten, im Verhältniß zu den damaligen Hülfsmitteln,als durchaus lobenswert!). Die Möglichkeit einer höheren, mehr künstlerischen Ausführung von Webereien der heutigen Zeit, z. B. die inLaubwerk sich wiegenden Knaben, mit Thieren spielend, in Scharlach und Gold i» la immierv cke Wille «louce (Kupferstich-Manier) ausgeführt,das Testament Ludwigs XVI. , die Portraits von Jacquard und PabstPius IX., ausgeführt durch den Weber Carquillat in Lyon , das Fa-milien-Bild der Königin Victoria u. a. m., verdanken wir allein derErfindung der Jacquard-Maschine. Es sollen diese Gewebe übrigens