276 XVl. Klaffe. Leder und Ledcrwaaren, Pclzwerk und Häute.
Aussteller, welcher in der Nähe London's wohnt, noch die letzte Aprilsoimezur Fertigstellung seiner Ausstellungsstücke benutzen, während der entferntwohnende seine Leder schon im Februar rmd März absenden mußte, unddadurch denselben gar keine Svnncnwärmc zuzuwenden vermochte. Solchemehr oder weniger ausgetrocknete, längere oder kürzere Zeit den Sonnen-strahlen ausgesetzte Leder ließen sich bei der genauen Prüfung und Unter-suchung, die wir mit sämmtlichen Ledern vorgenommen haben, sehr baldausscheiden und müßte man, wollte man sich einzig und allein an daßAusgestellte halten, schon hierdurch von selbst dem näher an London woh-nenden Franzosen einen Vorzug, gegen den entferntem Deutschen einräu-men, während umgekehrt den Fabrikanten dritten Ranges vielleicht Vor-züge vor dem des ersten zuzugestehen wir uns gezwungen sähen. Wirwerden also, ganz wie es die prciSrichtcnde Jury gethan hat, bei Erstat-tung unseres Berichtes über diese Ledcrsorte nicht den Ausstellungsgegen-stand allein, sondern mit ihm auch das Rcnomnw in Berücksichtigungziehen, das der Erzeuger im Großhandel genießt.
Lackirtc Schuh- und Stieselkalbfclle (vraux vci'ius, gayaimeck callli-kiiis), als die wichtigste aller dieser Klasse angehörenden Lcdersorten, sindmit wenig Ausnahmen von allen vorhcrgenannten Ausstellern eingeliefertworden. Unter ihnen oben an stehen Nyß und Eomp. in Paris , be-sonders was Schönheit und Dauerhaftigkeit des Lackes angehet. Einegenaue Untersuchung der von diesem Hause erzeugten und ausgestelltenLeder crgiebt, daß sie es vollkommener rmd besser als alle ihre Konkurren-ten verstehen, aus Lack und Leder gleichsam ein Ganzes, einen Körperzu bilden; beide sind in so hohem Grade mit einander verbunden, daß,auch größerer Mühe ungeachtet, Niemand im Stande ist, diese Verbin-dung auf mechanischem Wege zu trennen. Selbstredend ist es daher, daßdas lackirte Leder dieses Hauses, zu Fußbekleidung verarbeitet, wederspringt noch sich ablöst, sondern nur mit dem Leder des Stiefels und desSchuhes selbst sich abnützt.
Weiße und farbige lackirtc Kalbledcr, zu Hutgarnirungcn bestimmt,finden sich von demselben Hause ebenfalls ausgestellt, und wenn dieselbenneben dem schwarzen Leder auch nur einen untergeordneten Rang einneh-men, so erfreuen sie sich dennoch eines bedeutenden Rufes. Nyß undEomp. so wenig als die andern Pariser Lackirsabrikantcn bereiten odergerben das bei ihnen lackirte Leder selbst, sondern sie entnehmen dasselbe,wie schon früher angeführt, dem Pariser Markt, auf den eS von Milhau,Nantes und anderen Städten Frankreichs in dem Zustande, welchen maneil croute nennt, gebracht wird. Und darin unterscheidet sich die Fabri-kation der Französischen Leder von den Deutschen ganz im wesentlichen,daß der Letztere die Leder vom rohen Zustand an bis zum fertigen selbstbereitet, während der Franzose anderswo gegerbte Felle lediglich lackirt.Diesen Unterschied nun rechnen wir dem Deutschen zu ganz besonderemVerdienste an, weil ihm dadurch Gelegenheit gegeben ist, die ersten Arbei-