Band 
Zweiter Theil.
Seite
330
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ZZO XVII. Klasse. Papier , Buchdruck u»b Buchbinderarbeiten.

Fortschritte und Neuerungen der jüngsten Zeit in diesem Fache genommenhaben. Die Besprechung der einzelnen Länder wird am besten Gelegcn-beit bieten, dieselben hervorzuheben.

Wir wenden uns zuerst zur Britische », dann zur Französischen undDeutschen Papierfabrikation und schließen mit den übrigen Ländern.

8 . 68 .

Großbritannien und Irland.

Erst im Jahr 1588 ward die erste Papierfabrik in England inDartford (Kent ) durch einen Deutschen, Namens Spielmann, errichtet,dem die Königin Elisabeth dafür die Ritterwürde ertheilte H. Die Graf-schaft Kcnt ist von dieser Zeit an der Hauptsitz der Handpapierfabrikationgeblieben und die Firma von I. Whatman in Turkcy Mill bei Maidstoncist noch heute in Bezug auf Qualität ihres Fabrikats eine der erstenBültcnfabriken Europas , deren Wasserzeichen in allen Ländern nachgeahmtwerden, in größerem Umfang vielleicht, alö dies noch in der ganzen Han-delSwelt mit irgend einem Fabrikzeichen der Fall gewesen ist.

Die Papiermaschine ist keine Englische, sondern eine FranzösischeErfindung, jedoch haben die Engländer das vielleicht gleich große Verdienst,dieselbe zuerst bei sich aufgenommen und vollständig ausgebildet dem Kon-tinent zurückgegeben zu haben.

Im Jahr 1801 nabm I. Gamble in Verbindung mit L. Didot einPatent auf die Papiermaschine und 1803 kam der erste, allerdings sehrunvollkommene Versuch der Anfertigung endlosen PapierS zu Stande.Gamble trat l 80-1 das Patent an die Gebrüder H. und S. Fourdrinierab. Nächst dem ersten Erfinder Robert gebührt diesen Männern dasgrößte Verdienst um die Ausbildung dieser wunderbaren Maschine; inEngland trägt sie auch noch fortwährend deren Namen. Gleichwohlerndtcten dieselben die Früchte ihrer Anstrengungen nicht, setzten vielmehribr ganzes Vermögen bei den Versuchen zu. Betrachtete man auf derAusstellung das Modell der Fourdrinierschcn Papiermaschine aus demJahr l 806, so mußte man erstaunen, wie wenig dieselbe von der gegen-wärtigen Konstruktion tvergl. Th. I. 8 158) abweicht.

Die Watt sehe Dampfmaschine dürfte das einzige Analogen in derJndustriegeschichtc sein, wo eine so großartige und komplizirte mechanischeVorrichtung von ihrem Urheber gleich fertig hingestellt ward, so daß unsererfindungsreiches Jahrhundert noch keine prinzipiellen Aenderungen derursprünglichen Konstruktion ausgesonnen hat, die als wesentliche Ver-besserungen zu betrachten wären.. Wenn übrigens die Schwierigkeiten desPapicrmaschinenbctricbs nur sehr langsam und allinälig überwunden wur-den, so daß mindestens 25 bis 30 Jahre vergingen, ehe die zum prak-tischen Betrieb nöthige Sicherheit vollständig erreicht war, so lag dies