496 XVIII. Klasse. Farbe», Muster, Färberei und Druckerei.
druck die Farben in den kleinen Quadraten durch ein für allemal bestimmteZeichen angegeben werden — je nach den verschiedenen Schattirungen100 und mehr Farbcnzeichcn, Punkte, Linien, Striche, Kreuze u. s. w.in Gebrauch. Nach dieser Gravirung wird die Platte geätzt, bis dasMuster druckfcrtig da steht. Diese Fertigung der Platten geschieht in derRegel in den Musterfabriken selbst und da dieselbe nur geringer Ausführungcn bedarf, so reichen auch die größeren Fabriken mit einem oderzwei Graveuren aus. Die Arbeit an den Platten pflegt mit 25 Sgr.bis 25 Rthlr. und mehr für das Stück honorirt zu werden.
Die fertige Platte wandert nun zur Druckerei, wo auf das ge-wöhnlich vorn Mustcrfabrikanten gelieferte Papier, von der Stärke desNotenpapicrs, eine beliebige Anzahl Abdrücke in schwarz gefertigt undmit Rückgabe der Platte den Musterfabrikanten geliefert werden.
Dieser läßt nun zunächst einige (5rcmplare zur Probe kolorireu.Diese Arbeit wird vorherrschend durch Koloristcn mit Hand ausgeführt;sie tragen die Farben nach der vor ihnen liegenden Originalzeichnuug ein:die auf den Karos eingravirtcn Farbenzcichcn erleichtern dies Geschäftaber in sofern sehr, als daraus sofort die Zahl der gleichfarbigen Karosübersehen wird. Um nicht die Farben zu oft zu wechseln, werden gleich-zeitig mehrere Kopien kolorirt. Die Koloristcn schaffen die Malereigerätheund Farben selbst an und bekommen nach dem Dutzend-Stück bezahlt.Geschickte Koloristcn pflegen auch auf größere Muster nicht über 2 Tagezu verwenden. Gefällt nun das Muster und regt sich Kauflust, so wirddas Muster in größeren Auflagen nachkolorirt. So sind von beliebtenMustern schon Tausende von (5remplaren abgesetzt. Das Kolorircn wirdmit h, Rthlr. bis 70 Rthlr. für das Dutzend bezahlt.
Da die Wendungen des Geschmacks nicht zu übersehen sind, sowerden die benutzten Platten sorgfältig bewahrt und mögen deren in denStickmustcrsabrikcn Berlins gegenwärtig wohl bereits 00,000 Stückausgeführt und vorhanden sein. Die größeren Berliner Geschäftepflegen wohl 00 bis > 00 Koloristcn — meist in deren eigenen Häusern— zu beschäftigen und die vorhin dargestellten erfreulichen Fortschritte derFarbenbcrcitung macht diesen auch bei den farbenreichsten und schwierigstenMustern die glückliche Ausführung möglich.
Der bei einer größcrcirZahl von Ercmplarcn immerhin erforderlichebedeutende Zeitaufwand, hat zu wiederholten Versuchen geführt, denFarbendruck für die Stickmuster anzuwenden.
Zu diesem Zweck wird ein mit der Originalmusterzeichnung gleichkarrirtes Blatt aus Stein gezeichnet und mit Umdruckschwärze auf feinesPapier abgedruckt. In diesem Abdruck werden die verschiedenen Farbender Originalzeichnuug mittelst schwarzer Umdrucktinte durch entsprechendeZeichen angegeben, dann das so bezeichnete Blatt auf einen Stein über-tragen und abermals Abdrücke davon gemacht. Letztere zeigen nun dasganze Musterbild, aber nur noch schwarz.