Band 
Zweiter Theil.
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§. 108. Bleiche und Appretur der Leinen.

Statt der früher allgemein und noch theilweisc hierzu dienendenAuflösung von Chlorkalk wendet man jetzt zum Bleichen von Leinen,hauptsächlich auf den besseren Bleichen in Irland , fast ausschließlich nuruntcrchlorigsaures Natron an.

Kleinere Bleicher beziehen solches in ziemlich konzcntrirtem Zustandevon den chemischen Fabriken in und um Belfast , während es auf größerenBleichen aus dem im Handel vorkommenden pulverisirten Chlorkalk durcheinen Zusatz von Soda in folgender Weise bereitet wird:

Man löst eine Quantität Chlorkalk in einer hinreichenden MengeWasser vollständig aus und läßt hierauf die Flüssigkeit sich klären; inähnlicher Weise bereitet man sich eine Auflösung von kalzinirtcr Soda inWasser; die klare Chlorkalklösung bringt man nun in einen mit einer ein-fachen Rührvorrichtung versehenen Behälter und setzt allmählig unterbeständigem Rühren so viel von der klaren Natronlauge zu, bis bei Prü-fung einer Probe durch Zusatz von Kali- oder Natronlösung kein Kalkmehr gefällt wird. Die Gewichtsverhältnisse richten sich nach dem Pro-zentgehalt des Chlorkalks, der Stärke der Chlorkalkauflösung und dementsprechend nach dem Prozcntgehalt der Soda und der Stärke der Lauge,so wie nach der gewünschten Stärke der herzustellenden unterchlorigsaurcnNatronlösung. — Letztere bringt man nach beendeter Bereitung in kleinereGefäße, wozu sich die gläsernen Ballons, in welchen die Schwefelsäure in denHandel kommt, gut eignen, und verschließt dieselben gegen atmosphärischeEinwirkung möglichst luftdicht. Man stellt von dieser Chlornatronlösungkeinen zu bedeutenden und nur den jedes Mal einem mehrtägigen Bedarfentsprechenden Vorrath dar, da diese mit der Länge der Zeit an bleichenderKraft verliert und je frischer desto wirksamer ist.

Der im Handel vorkommende Chlorkalk hat im Durchschnitt einenGehalt von circa 20 Prozent; der Preis in Belfast ist 12^ Schilling,— 4^ Rthlr. Preuß. per Ctr.

Zu chlorometrischen Bestimmungen für Bleich- und ähnliche technischeZwecke bedient man sich in Irland allgemein des bekannten Verfahrensmit einer normalen Jndigosolution; letztere ist in der Weise bereitet, daßman 1 Theil besten Indigo in 9 Theilen Schwefelsäure auflöst und diesmit 990 Theilen destillirtem Wasser verdünnt.

Bei vorzunehmenden Prüfungen füllt man einen diesem Zweck ent-sprechenden graduirtcn Cylinder, dessen Grade nach oben zunehmend zäk-len, bis zu dem unten mit 0 markirten Punkt der Skala mit obiger In-digoauslösung und gießt nun vorsichtig und allmählig von der zu prüfen-den bhlorflüssigkeit so viel ein, bis sich das Blau der Jndigolösung voll-ständig entfärbt hat. Der Grad, resp. die Zahl an der Skala, bis zuwelcher die Flüssigkeit im Cylinder dann reicht, giebt die relative Stärkeder zu prüfenden Chlorslüssigkcit an. Je leichter die Jndigolösung ent-färbt, d. h. je weniger von der Chlorflüssigkeit dazu erforderlich und je