580 XIX. Klasse. Teppiche, Tapeten, Spitzen, Stickereien rc.
die Bobbinet-Maschinen seit ihrer Einführung eine immer größere Ver-vollkommnung und mächtigere Leistungsfähigkeit.
Ursprünglich auf den Betrieb mit der Hand angewiesen, werdendieselben jetzt durch mechanische Kräfte bewegt, und sind befähigt, stündlichetwa 40,000 HIZoll Bobbinctstoff zu liefern.
Diese außerordentlichen Leistungen der Bobbinet-Maschine habenauch bewirkt, daß der Arbeitslohn seit 20 Jahren auf etwa den vierzigstenTheil und der Preis des Fabrikats aus mehr als den dreißigsten Theilheruntergegangen ist.
Aus die Herstellung mannigfaltiger Sorten der Bobbinets und aufdie Ausführung vielfacher, vermittelst dieser Stoffe herzustellender Gegen-stände, haben nicht minder die neuen Erfindungen und Verbesserungenin den Bobbinet -Maschinen wesentlich eingewirkt. Durch die Verbindungdieser Maschine mit dem Jacquardstuhl ist man in den Stand gesetzt, diekunstreichsten Muster herzustellen, und dieselben in einer größeren Regel-mäßigkeit und reichhaltigeren Abwechselung, als die mit der Hand gefer-tigten, zu liefern. Die Fortschritte, weiche in dieser Weise in der Fabri-kation der Bobbinets im Allgemeinen und der Spitzen insbesondere er-langt wurden, haben keincsweges dazu beigetragen, die Handarbeitenzu verdrängen, sondern haben vielmehr dazu gedient, dieselben wesentlichzu fördern.
Der durch Maschinen hergestellte Spitzenstoff (Bobbinet, Tüll,Spitzcngrund) giebt der Hand-Industrie ein wesentliches Element zurweitem Veredlung und zur Herstellung mannigfaltiger Lurusstoffe.Es wird derselbe benutzt, um durch Ausnützen, Sticken, sowie durchAus- und Einnähen von geklöppelten, genähten, tambourirten und ge-stickten Mustern (Applikation) nicht allein Blonden, Spitzen, Kanten rc.herzustellen, sondern auch verschiedene andere Gegenstände zum Putz undLuruö, wie: Schleier, Kragen, Mantillen, Hauben, Decken, Vor-hänge rc. zu liefern.
Bei alledem haben die, ganz durch Handarbeit hergestellten Blon-den, Spitzen, Kanten rc. noch heut zu Tage ihren vollen Werth und inden höheren Ständen willige Abnehmer, von denen diese Fabrikate alsGegenstände des höchsten Lurus benutzt und mit hohen Preisen bezahltwerden.
Seide, Leinen und Baumwolle bilden die wesentlichen Stoffe beider Spitzcnfabrikation. Gold, Silber, Glas, Schmelz, Chenille,Sammet finden nicht minder mannigfache Anwendung und werden diedaraus gefertigten Fabrikate vorzugsweise Tressen benannt. Die ausleinenem Gespinnst hergestellten Blonden, Spitzen, Kanten, werdenals die werthvollsten betrachtet, und haben dieselben ihren wesentlichenWerth in der größeren Dauerhaftigkeit, in der blendend schönen Weißeund der leichteren Herstellung derselben durch die Wäsche.
Das hierbei zur Benutzung kommende leinene Garn wird von aus-