Band 
I. Band.
Seite
111
JPEG-Download
 

111

mauern von der jetzigen Spital-- oder heiligen Geistkirche den Spitalzum heiligen Geist erbauten. Das Kloster wurde von einem Mei-ster und zwei Brudern bewohnt, welche dem Spitale des heiligenGeistes in ssxiss zu Rom untergeordnet waren und unmittelbar unterdem Provinziale zu Steffanshalden im Bisthum Straßburg standen,'» welchem ste 12 Gulden Kammerzins entrichteten. Verpflegung der Armen

und Kranken und Beherbergung durstiger Reisender waren außer demGottesdienste die vorzüglichste Bestimmung dieses Ordens, der eine Taubeim Wappen führte und dem Zwecke ächten Christenthums gänzlich ent-sprach. Wein das 13. Jahrhundert sah die in der christlichen Kirchehöchst merkwürdige und höchst wichtige Erscheinung der Bettelorden, indenen sich der heilige Stuhl, dessen Glanz und Macht durch die Ver-änderung der Begriffe bereits sehr zu leiden anfing, eine neue Stütze zuverschaffen wußte. Die großen Reichthümer, welche nämlich die Mehr-zahl der bisherigen Klöster erworben und der üppige Genuß an den sichviele ihrer Bewohner gewöhnt hatten, waren der Menge der Gläubigenzum Aerger geworden. Auch schienen die Ordensregeln, welche sie inden Mauern ihrer Klöster eingeschlossen hielten, nicht geeignet, einen» wirksamen Einfluß auf das Volk zu befördern. Um so lebendiger schien

dem Pabste das Bedürfniß ergebener und brauchbarer Volkslehrer, als,ungeachtet aller Kreuzzüge und Verfolgungen die Lehre der Waldcnser undAlbigenser, sich mit dem Ungestüm eines reißenden Stromes durch dassüdliche Frankreich und nördliche Italien verbreitete. Unter solchen Um-ständen mußte das Anerbieten des Spaniers Dominikus, seinen Anhängernzufolge eines Abkömmlings aus dem Hause Guzman, eines gewaltigenEiferers für den Glauben der Kirche gegen die Ketzerei, einen neuenOrden zur Ketzerbekehrung zu errichten, sehr willkommen sein. Daherwurde, ungeachtet des Beschlusses der vierten Laterans-Synode gegendie Vermehrung der Mönchsorden, der Antrag mit Freuden angenommenund einer bereits um ihn versammelten Zahl seiner Anhänger alsobalddie Bestätigung als Predigerorden ertheilt. Um das Herz frommerChristen durch Entbehrung und Demuth zu erweichen, mußten sie allem^ Besitzthum entsagen. Doch blieb der Religionsunterricht, die Predigt,

mehr noch als Demüthigung durch Betteln, ibr Hauptzweck. Allein gleich-zeitig mit dem Predigerorden hatte der heilige Franz von Assisi in seineran Wahnsinn grenzenden Begeisterung für Demuth und Schmach denOrden der Minoriten oder sogenannten mindern Brüder Seraphiten oderFranziskaner gestiftet, der sich vor allen andern Brüderschaften im

Beschreibung des Dekanats unter den Kirchen bereits der Spital zuBern angegeben. Ryhincr's Geschichte der Stadt Bern, I. S. ist.