158 Fünftes Kap. Der große Nordische Krieg.
brauchs ihrer Gastfreundschaft endlich übcrdrüßig, den königlichenBettler fortwies. Er wagte jezt auch der Pforte zu trozen, ver-schanzte nothdürftig fein hölzernes Haus bei Bender, hielt mitein paar hundert Leuten einen ganzen Tag lang den stürmendenAngriff eines türkischen Heeres aus, ward mit Mühe gefangenund nach Demirtasch in die Nähe Adrianopels gebracht.Auch hier noch ließ er nicht ab von Versuchen, die Pforte gegenRußland in Waffe» zu bringen, bis er endlich, nach mehr alsfünfjähriger Selbstverbannung, seine Hoffnungen aufgebend, dieTürkei verließ und zu Pferd mit einem einzigen Begleiter wieein Flüchtling durch Ungarn und Teutschland heim in seinReich kehrte. Am 11. Nov. 1714 um Mitternacht erschien erplözlich, zum Erstaunen der Seinigen, in Stralsund, dem fastallein ihm noch übriggebliebenen Punkt auf teutscher Erde.
§. 13.
Die Noth Schwedens.
Denn nicht mehr war er jezt der mächtige König, vor wel-chem ein paar Jahre früher der Norden und Osten erzitterten.Gehäufte Unfälle, mehr noch die Folgen seines starrsinnigen Ver-weilens in der Türkei, als blos der Schlacht bei Pultawa,hatten daS Reich getroffen; es lag in äußerster Erschöpfung; vonallen Seiten bedrängten es Feinde.
Noch vor dem Ende des Jahrs 1709 hatte K. August seinKönigreich Polen wieder eingenommen, den Frieden von Alt-ranstädt als ungillig wegen unchristlicher Härte erklärend.Stanislaus, blos durch den Willen Karls XIl. König, sahseinen Thron einstürzen mit seines Schuzherrn Macht. ZumUeberfluß entband der Pabst die Polen von dem ihm geleistetenEide. Daher zog er sich ohne Widerstand mit den schwedischenTruppen nach Pommern zurück, dieses schwedische Land gegenKaUs Feinde zu vertheidigen. Gerne hätte er, um den Friedenzu befördern, die Krone jezt schon niedergelegt: aber Karl versagteseine Einwilligung; und als er später, um dieselbe durch persön-liche Besprechung zu erwirken, in die Türkei sich wagte, ward ervon den Türken gefangen gesezt.
1) 25. Okk. 1714.