Dreizehntes Kap. Der Norden und Osten. 307
Dreizehntes Kapitel.
Der Norden und Osten. Katharina die Große.
Theilung Polens.
tz. 1.
Weltlage. Die Hauptmächte.
Die beiden Friedensschlüsse, welche den siebenjährigen Krieggeendet, enthielten den Stoff und Zunder abermaliger Zerrüttung.Doch vorerst freute West - und Mitteleuropa sich eines sechs-jährigen Friedens und benüzte ihn (einzelne Ausnahmen, zumaldie b o ur b o n isch en Staaten abgerechnet) eifrigst zu Wiederher-stellung des Woblstandes. Friedrich ll. vor Allen zeigte sieb alögleich trefflichen Meister der innern Staatsverwaltung wie desKrieges. In kurzer Frist blübte sein erschöpftes Land wieder auf,und kehrte das Gedeihen zurück in die Wirthschaft der Privatenwie des Staates. Auch Oestreich, das mit einer Schuldenlastvon 100 Millionen aus dem Kriege trat, bedurfte der Heilung.Maria Theresia eiferte König Friedrich nach, und bald auchihr geistvoller Sohn, Joseph, welchen am 27. März 1764 dieKurfürsten zum römischen König erkoren. Derselbe bestieg im nächst-folgenden Jahr ') bei dem Tod seines Vaters Franz I. als Jo-" seph II. den Kaiserthron. M. Theresia jedoch, gleich wie sieihrem Gemahl blos den Titel des Mitregenten gegeben, hieltauch den Sohn noch von den Geschäften entfernt, blos das Mili-tärwescn seiner thätigen und fruchtbringenden Sorge überlassend.Die glücklichste Nebenbuhlerin von Friedrichs und Theresiens Ruhmwar Katharina II., die Große, in Rußland, zwar aufschwer verantwortliche Weise zum Throne »gelangt, doch durch dieVortvefflichkeit ihrer einheimischen Verwaltung die zürnende Weltversöhnend, dagegen durch ihre äußere Politik und durch ihrPrivatleben zehnfacher Verwerfung werth ^).
Großbrittannien benuzte den Frieden zur Befestigung und
1) 1765, 18. Aug.
2) Biographien Katharina's II. von A. L. v. Schlözer, Biester,Struve, Karamsin, Markard u. A.
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